Vermittler zwischen zwei Kulturen

Eine Extra-Qualifikation hilft einem Ausbilder bei Wilo, Flüchtlinge gut zu integrieren

Unternehmen, die einem Migranten einen Job bieten, stehen vor großen Herausforderungen. Wie sie damit erfolgreich umgehen, zeigt eine Fortbildung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

Nimmt sich Zeit: Ausbilder Markus Pedall (rechts) mit Flüchtling Boubacar Barry. Foto: Werk

Nimmt sich Zeit: Ausbilder Markus Pedall (rechts) mit Flüchtling Boubacar Barry. Foto: Werk

Orientierung: Boubacar Barry lernt im Praktikum Grundlagen der Elektrotechnik kennen. Foto: Werk

Orientierung: Boubacar Barry lernt im Praktikum Grundlagen der Elektrotechnik kennen. Foto: Werk

Hof. Den Menschen zu verstehen, das sei das Wichtigste, sagt Markus Pedall: „Da geht es bei Flüchtlingen nicht nur um die Sprache“, erläutert er. „Es geht darum, Verständnis für eine andere Kultur zu haben.“ Und das sei nicht immer einfach, meint der Ausbilder für Elektrotechnik. Seit 25 Jahren arbeitet Pedall im oberfränkischen Hof bei Wilo, einem Hersteller von Pumpen und Pumpensystemen für die Heizungs-, Kälte- und Klimatechnik sowie Wasserversorgung. Und auch er lernt immer Neues dazu: etwa, wie man mit Geflüchteten umgeht.

Im Februar hat Pedall dafür den Workshop „IdA Ausbilderqualifikation“ besucht. Die Veranstaltungsreihe ist ein Baustein der Initiative „IdA – Integration durch Ausbildung und Arbeit“, von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) gemeinsam mit der Staatsregierung und der Bundesagentur für Arbeit im Herbst 2015 gestartet. Ziel ist, Geflüchteten den Einstieg in das Berufsleben zu erleichtern. Durchgeführt werden die Workshops vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft.

Pedall brachte bereits eigene Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen mit, als er den Kurs besuchte. „Aber ich wollte noch besser verstehen, was die Menschen erlebt haben und welche Unterschiede es zwischen unserer und fremden Kulturen gibt“, sagt er.

Drei Praktikanten hatte er im Werk schon betreut, einen davon nahm Wilo im September 2016 sogar im Rahmen einer sogenannten Einstiegsqualifizierung auf. In dieser erlernen Flüchtlinge ein Jahr lang bestimmte Fertigkeiten, die ihnen den Start in eine anschließende Ausbildung erleichtern.

Der junge Mann sei sehr eifrig gewesen, habe sehr gut mitgearbeitet. „Nach einigen Monaten hat er sich aber entschieden, zurück auf die Schule zu gehen und zunächst dort einen Abschluss zu machen“, sagt Pedall. Der Grund: Er konnte die Sprache noch nicht so gut verstehen, um schriftliche Aufgaben in der Berufsschule erfolgreich umzusetzen. „Wenn man deshalb nur schlechte Noten bekommt, ist das natürlich frustrierend, auch wenn die Arbeit ansonsten Spaß macht“, ist sich Pedall bewusst.

Sich in andere Menschen einzufühlen, vor allem dazu sensibilisiere die IdA Ausbilderqualifikation. „Wir machen uns oft keine Vorstellung, welchen traumatischen Weg die Menschen zurücklegen mussten“, sagt Pedall. Zwei Jahre auf der Flucht seien normal, mit Hunger, Entbehrung, Angst. „Das hinterlässt Spuren, die nicht so schnell vergehen.“

IdA-Netzwerk unterstützt den Ausbilder mit Tipps

Seine Erfahrung mit den Flüchtlingen bei Wilo teilt Pedall gerne mit Kollegen aus anderen Unternehmen. „Ich nehme regelmäßig an Netzwerktreffen teil, bei denen auch die IdA-Navigatoren des Verbands mitmachen“, sagt er. „Dieser Austausch ist sehr wertvoll, weil ich dort Tipps bekomme, wie andere mit ähnlichen Situationen umgehen.“

Seit Ende Juni beschäftigt Pedall einen weiteren Flüchtlingspraktikanten im Unternehmen. Der 18-jährige Boubacar Barry stammt aus Guinea. Zweimal in der Woche kommt er ins Werk und schnuppert in die Arbeitswelt hinein.

Auch für eine Einstiegsqualifizierung oder einen Ausbildungsplatz steht der Pumpenhersteller Wilo weiterhin offen, „wenn der Kandidat passt“. Dies plane man aber ausschließlich zusätzlich zu den normalen Ausbildungsplätzen.

So sei es auch gut zu verkraften, wenn ein Flüchtling sich während einer Ausbildung doch für einen anderen Weg entscheidet. „Unsere Erfahrung zeigt, dass die Menschen eine ganz andere kulturelle Prägung haben“, sagt Pedall. „Da ist es nur natürlich, dass sie viel mehr Zeit brauchen, um sich an die deutsche Art zu arbeiten und auszubilden zu gewöhnen.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich habe als Jugendlicher schon gerne am Mofa geschraubt, hatte handwerkliches Geschick. Da lag es nah, Elektrotechnik zu lernen.

Was reizt Sie am meisten?

Ich bin nach wie vor überzeugt, dass Berufe mit Elektronik und Mechanik Zukunft haben, weil man beides nur schwer durch andere Disziplinen ersetzen kann. Das gebe ich gerne weiter.

Worauf kommt es an?

Spaß und Interesse an Technik und kleinteiligem Arbeiten sollten schon vorhanden sein.


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aktualisiert am 15.12.2017

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