Beschäftigung

Eine besondere Form der Nachbarschaftshilfe


Betriebe leihen sich gegenseitig Personal – neue Einigung erzielt

Hannover. „Nachbarschaftshilfe“ in der niedersächsischen Metall- und Elektro-Industrie: Der überbetriebliche Personaltausch, der seit Jahren erfolgreich in Braunschweig und in Salzgitter praktiziert wird, ist nun auch in der Region Hannover möglich und gewinnt damit stark an Bedeutung. Der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall und die Gewerkschaft IG Metall haben dies kürzlich per Tarifvertrag vereinbart.

„Das sichert Jobs und bringt Flexibilität“

Die Einigung gilt zunächst für neun Betriebe mit insge-samt rund 9.000 Mitarbeitern; drei weitere haben bereits ihre Teilnahme zugesagt. Sie kön-nen sich jetzt untereinander Personal ausleihen – das ist attraktiv, wenn der eine kurzfristig zu wenig und der andere zu viel Aufträge hat.

„Eine klassische Win-win-Situation“, umschreibt es Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine. Und Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, bestätigt: „Der Tarifvertrag sichert die Jobs der Beschäftigten und bringt zugleich den Firmen mehr Flexibilität. Wir waren überrascht vom großen Echo der Idee.“ Zu den beteiligten Firmen ge­hören Namen wie KraussMaffei Berstorff, Komatsu Hanomag, MTU Maintenance oder Wabco.

Auslastung noch sehr uneinheitlich

Lob gibt es auch von Hannovers Oberbürgermeister Stefan Weil: „Diese Vereinbarung ist ein gutes Beispiel, um industrielle Arbeitsplätze zu halten.“ Weil hatte im Krisenjahr 2009 einen Runden Tisch gebildet und mit Arbeitgebern und Gewerkschaft an diesem Pakt gearbeitet.

Die Auslastung der Betriebe ist nach wie vor sehr uneinheitlich. „Bei ei­nigen sind die Auf­tragsbücher sehr voll, andere haben eine sehr schwache Aus­lastung und nach wie vor Kurzarbeit“, weiß Schmidt. Die Krise sei noch längst nicht überall überwunden.

Sowohl Arbeitgeberverband als auch IG Metall zeigen sich offen für weitere Insellösungen. Norbert Reiners, Tarif- experte von Niedersachsen-Metall: „Denkbar wäre ein ähnliches Modell im Raum Göttingen. Er betont: „Solche Partnerschaften können nur funktionieren, wenn sie re­gional begrenzt sind. Man kann keinen Mitarbeiter von Osterode nach Osnabrück schicken.“

Man findet sich schnell rein

Zwei Firmen setzen die Einigung für den Großraum Hannover bereits aktiv um: die Wabco GmbH, die Bremsanlagen für Nutzfahrzeuge fertigt, und Radio Frequency Systems (RFS), Spezialist für Hochfrequenz-Übertragungstechnik. Während RFS noch in der Flaute steckt, hat das Geschäft bei Wabco schon wieder kräftig angezogen.

Seit drei Monaten arbeiten daher zehn RFS-Mitarbeiter bei Wabco. Sie bekommen weiter ihr volles Gehalt von ihrem Arbeitgeber, dieser schreibt Wabco dafür eine Rechnung. Die Facharbeiter hätten sich nach kurzer Einarbeitung relativ schnell in ihre neue Aufgabe eingefunden, berichtet Wabco-Personalmanager Cevat Dönmez. Die Ausleihphase wird vorerst bis Januar 2011 dauern.

Lars Ruzic

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