Mittelstand

Einblicke in das Eisenbahn-Paradies


Eine „Heuschrecke“ holt den Modellbahnhersteller Märklin vom Abstellgleis

Göppingen. Kennen Sie noch einen Modelleisenbahn-Fan, der zig kleine Züge durch seine Wohnung steuert, vorbei an Bergen und Seen, in Bahnhöfe und auf Rangiergleise?

Wenn ja, dann ist er wohl schon etwas älter. In vielen Kinderzimmern sucht man Gleise und Züge vergebens. Hersteller Märklin ist deshalb zusehends aufs Abstellgleis geraten: Die Umsätze gingen einige Jahre drastisch zurück. 2006 drohte das Aus.

Jetzt setzt die britische  Beteiligungsgesellschaft „Kingsbridge Capital“ die Traditionsfirma wieder  unter Dampf. Mit Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe (2007: 12 Millionen Euro) und neuen Ideen. Statt sich nur auf ältere Sammler zu konzentrieren, hat Märklin wieder die Kinder im Visier.

Tierischer Spaß für die Kleinen

Eine Markt-Analyse hatte nämlich gezeigt: Die Marke Märklin war bisher fast nur bei den über 30-Jährigen bekannt. Bei ihnen steht der Name zwar für Made in Germany, Qualität und Innovationen – aber eben nicht für Kinderspielzeug. Dabei hätten die Eltern gerne Spielzeug aus Göppingen. „Unsere Antwort sind die ‚Märklin Toys‘. Das ist moderne Technik mit Spielwert und Adrenalin“, sagt Marketing-Direktor Lars Schilling.

Jetzt fährt Märklin wieder durch die Kinderzimmer. Und bringt für die Kleinen zum Beispiel einen ganzen Zirkus mit. Die Spielpackung „Circus Mondolino“ einschließlich Ergänzungen ist derzeit der Renner für Kinder ab fünf Jahre. Loks, Anhänger und Gleise entsprechen der gängigen Spur H0. Beim Zirkuszelt und den Figuren aus robustem Kunststoff hat das Göppinger Unternehmen dagegen kindgerecht auf Maßstabstreue verzichtet. „Die erste Charge ist schon ausverkauft“, freut sich Schilling über den Erfolg.

Ein Traum wird wahr

Märklin vergisst aber auch seine klassischen Kunden nicht. Die bekommen dank „Mobile Vision“ ganz neue Einblicke in ihr Modell-Paradies. Eine Kamera im Führerstand der Lok überträgt per Funk Bilder auf eine Videobrille. Ein Traum wird wahr: Ich bin Lokführer! Mobile Vision kann künftig auch die eigene Anlage im Internet präsentieren oder die Bahnen anderer Fans in Echtzeit befahren.

Mit dem internetgestützten  Agentenset „Spy Tec“ geht Märklin völlig neue Wege. Das Spionagespielzeug spricht die älteren Kinder an. Es wird im Oktober zu haben sein, wenn der neue James-Bond-Film in den Kinos anläuft.

Die Aufgabe denkt sich der Spieler selbst aus. Durch ein ferngesteuertes Kettenfahrzeug mit integrierter Kamera und drahtloser Videoübertragung kann er dann aus der Distanz spionieren und von Level zu Level beweisen, wie clever er ist.  Schilling: „Das ist ein ähnlicher Ansatz wie bei den Spielkonsolen. Gespielt wird aber nicht allein vor dem Bildschirm, sondern  gemeinsam im Haus oder draußen.“

„Viele Neuheiten lagen schon vor zwei Jahren in den Schubladen, als wir noch ein Familienunternehmen waren“, erzählt Schilling. „Doch erst der Finanzinvestor Kingsbridge Capital hat uns den Weg aus dem Mikrokosmos Modelleisenbahn ermöglicht.“ Die Signale stehen auf Grün.

Joachim Sigel

 

Info: Märklin Holding GmbH

Märklin ist weltweit die Nummer eins im Modellbahngeschäft. Unter dem Dach der Holding sind die Marken Märklin, Trix, LGB und Hübner vereint. Damit hat das Göppinger Traditionsunternehmen inzwischen alle gängigen Spurweiten von der kleinsten Spur Z bis zur Gartenbahn im Angebot. Die Märklin Holding beschäftigt 1.176 Mitarbeiter, davon 710 im Inland. Vom Umsatz in Höhe von 126 Millionen Euro (2007) entfallen 28 Prozent auf den Export.

www.maerklin.de

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