Sprung ins Ausland

Einblick in fremde Arbeitskulturen


Frankfurt. Die Augen von Nadine Tietz strahlen noch immer. Drei Wochen hat die angehende Biologielaborantin vor kurzem an der Südküste Englands in Torquay verbracht – und in einer Kunstgalerie ausgeholfen. „Ich durfte Rahmen schneiden, Schaufenster dekorieren und die Besucher beraten“, erzählt die 20-Jährige.

Eine Laborantin in der Kunstgalerie? Der Gesundheitskonzern Sanofi in Frankfurt macht es möglich. Das Unternehmen bietet allen Auszubildenden im ersten Lehrjahr einen Aufenthalt in Frankreich oder England an, egal ob aus dem naturwissenschaftlichen, technischen oder kaufmännischen Bereich. Unter den Teilnehmern befinden sich also auch Chemielaboranten, Mechatroniker und Industriekaufleute.

Das Besondere: Sie packen auch im Einzelhandel an. „Zum Beispiel in Apotheken, Supermärkten, Autowerkstätten und Boutiquen“, erklärt Birgit Huber, Leiterin der Personalentwicklung. „Ein Azubi aus dem IT-Bereich hat zum Beispiel die Website für einen Tauchshop gestaltet“, ergänzt sie. Nadine Tietz hat sich einen Traum erfüllt: „Kunst ist mein Hobby – also habe ich die Galerie vorgeschlagen.“

Das Programm ist seit 2012 Teil des neuen Ausbildungskonzepts. Aufgeteilt in Gruppen geht es für die jungen Leute seitdem jährlich im Sommer und Herbst nach England oder Frankreich. 97 von 160 neuen Azubis nutzen in diesem Jahr die Chance.

„Wir möchten, dass die jungen Leute eine fremde Arbeitskultur kennenlernen“

Für Ralf Kröckel (20) beginnt das Abenteuer im Oktober. Er lernt Chemielaborant und wird in Bordeaux Laborluft schnuppern. „Ich bin gespannt auf meine französischen Kollegen, auf die Arbeitsabläufe und Gespräche“, sagt Kröckel. Die Idee, Azubis ins Ausland zu schicken, ist bei Sanofi nicht ganz neu. Bis 2011 war das Programm jedoch den Fremdsprachenkorrespondenten vorbehalten. Jetzt steht es allen offen: „Wir möchten, dass die Auszubildenden eine fremde Arbeitskultur kennenlernen“, sagt Birgit Huber.

Für den globalen Konzern ist interkulturelles Verständnis unverzichtbar. Weltweit beschäftigt er über 110.000 Menschen, allein in Frankfurt sind es gut 6.900. Bei vielen Projekten kommen die Mitarbeiter automatisch mit internationalen Kollegen in Berührung. „Das Ausland beginnt bei uns vor der Bürotür“, beschreibt Huber die Zusammenarbeit. „Je früher der Nachwuchs Erfahrungen sammelt und neue Perspektiven bekommt, umso besser.“

Nicht nur intern stößt der Baustein auf großes Interesse – auch auf dem Ausbildungsmarkt entpuppt sich das Konzept schon jetzt als Wettbewerbsvorteil. „Immer häufiger bewerben sich Schüler gerade deswegen.“

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