Krisenpaket

Ein Unternehmen hält trotz 18 Monaten Absatzflaute seine 550 Mitarbeiter


Hameln. Die Planung für 2013 sieht nicht gut aus: Im Jahresdurchschnitt sind zu viele Mitarbeiter beschäftigt. Volvo Construction Equipment in Hameln kämpft wie alle Hersteller mit einem Abwärtstrend auf dem Markt für Straßenbaumaschinen, der unter anderem eine Folge der Euro-Krise ist. Dennoch geht auf den ersten Blick alles seinen gewohnten Gang. Die Produktion läuft, man arbeitet 35 Stunden pro Woche, sogar am Samstag laufen die Bänder.

Flexibilität ist eine Herausforderung – aber überlebensnotwendig

Die Erklärung: Seit Februar erhalten die meisten Beschäftigten trotz vollen Einsatzes nur Geld für 31,8 Wochenstunden. „Die zwei Tage pro Monat, die sie jetzt mehr arbeiten, sind als Puffer fürs zweite Halbjahr gedacht“, sagt Torsten Muscharski, der Personalleiter.

Dann sei weniger zu tun, erläutert Muscharksi, und die Zeitkonten würden wieder abgebaut. Angesichts der ungleichen Verteilung der Jahresproduktion, mit der saisontypischen Delle im zweiten Halbjahr,schon jetzt die Arbeitszeit kürzen und das Entgelt reduzieren: Für den Volvo-Standort Hameln ist das ein Instrument, um in der Absatzkrise niemanden entlassen zu müssen.

„Der Markt für Straßenbaumaschinen strauchelt seit 18 Monaten“, sagt der Personalleiter. „Ohne solche Maßnahmen könnten wir unsere Leute nicht halten.“

Bereits Ende 2011 ging die Auslastung herunter. Was zunächst wie ein saisonaler Abschwung aussah, entwickelte sich zu einer dramatischen Flaute. „Wir waren gezwungen, im zweiten Halbjahr 2012 bis Januar 2013 Kurzarbeit anzumelden, um keine Kündigungen aussprechen zu müssen“, berichtet Muscharski. Und betont: „Das ist hart, aber es ist besser als arbeitslos sein.“

Er verweist darauf, dass die wirtschaftlichen Schwankungen immer häufiger werden und zudem stärker ausgeprägt sind als früher. Deshalb sei solch eine Flexibilität für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer eine Herausforderung. Doch sie sei überlebensnotwendig, sagt Muscharski, zumal die Lage in Europa angespannt bleibe und auch der wichtige chinesische Absatzmarkt sich mittlerweile in einem Abschwung befinde.

„Wir hoffen, dass die neue Regierung in China die geplanten Infrastrukturprojekte umsetzt“, sagt der Personalchef. „Das würde uns Auftrieb geben.“ Mit zusätzlichen Aufträgen über dem Planniveau für 2013 rechnet allerdings niemand.

Zwar wird diskutiert, die Absenkung der bezahlten Stunden auf einen Tag zu reduzieren, um die derzeitige Situation zu entspannen. Aber für das vierte Quartal bis Januar kommenden Jahres wird wohl voraussichtlich erneut Kurzarbeit beantragt werden.

Gleichwohl bleibt Mu­scharski zuversichtlich: „Irgendwann ziehen die Märkte wieder an. Dann können wir durchstarten, weil wir personell gut aufgestellt sind.“

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