Kosmetik-Industrie

Ein Tannenbaum aus Seife


Die Firma Kappus produziert schon seit dem Jahr 1848

 

 

Offenbach. Konrad Zoska greift sich eine Schaufel und gräbt eine blaue Masse um: Im Handumdrehen formen Maschinen daraus ein glänzendes Stück. Seit 15 Jahren arbeitet Zoska als Mischer in einer der letzten Fabriken für klassische Festseife in Europa.

 

 

 

Es ist die Firma Kappus in Offenbach. „Wir konzentrieren uns auf Spezialitäten wie Luxus- und Transparentseife“, erklärt Geschäftsführerin Patricia Kappus-Becker. Je nach Saison kommen kleine Figuren hinzu: Jetzt zur Weihnachtszeit füllen Engel, Nikoläuse, Sterne, Schneeflocken und Tannenbäume die Regale im firmeneigenen Laden.

 

 

 

40 Millionen Stück in 50 Formen

 

 

 

In der Werkhalle rattern unaufhörlich die Maschinen. Die weiße Grundseife steht in riesigen Säcken zur Weiterverarbeitung bereit. Sie basiert auf tierischen Fetten aus der Nahrungsmittel­Industrie oder pflanzlichen Ölen. Wie Makkaroni liegen die Stücke in der Hand –„Seifen­nudeln“ nennt sie daher auch der Fachmann.

 

 

 

Bis zu neun verschiedene Produkte können gleichzeitig durchlaufen. Der Mischer Zoska steht am Anfang der Herstellungskette: „Ich gebe je nach Rezept Pflegezusätze, Farbstoffe und Parfüme dazu“, erklärt er.

 

 

 

Dann knetet ein Mixer die Masse, drückt sie durch eine Sieblochscheibe zu einem dicken Strang. Im Sekundentakt schnappen schwere Messingformen zu und pressen die Seife in das gewünschte Format. Mehr als 50 Formen hat Kappus in Gebrauch. „Im Keller lagern noch viel mehr“, verrät die Chefin.

 

 

 

Am Ende purzeln je nach Kollektion ovale, quadratische oder runde Waschstücke auf die Laufbänder. Oder eben kleine Tannenbäume. Dabei geht nichts verloren: „Die Reste werden wieder verwertet“, erklärt die Mitarbeiterin Cosima Cassiano. Vor den Augen der 46-Jährigen rollen gerade beige Stücke mit Kamillen-Duft vorbei.

 

 

 

 

 

 

 

Wenige Schritte weiter schieben Maschinen-Arme die Produkte bereits in Pappschachteln.

Das Werk in Offenbach, gegründet 1848, ist die Wiege des Unternehmens. Dort stellte der Ururgroßvater der heutigen Geschäftsführerin 1871 die erste Markenfeinseife der Welt her. Heute produzieren rund 100 Mitarbeiter bis zu 40 Millionen Stücke Seife im Jahr.

 

 

 

„Ein paar Cent mehr für Qualität”

 

 

 

Festseife reinigt hautfreundlich, duftet im Bad und vermeidet Abfall. Sie sei „vom Markt nicht wegzudenken“, sagt Kappus-Becker, auch wenn Kunden vermehrt zur Flüssigseife griffen. Zwar steige allgemein die Nachfrage nach hautfreundlichen Produkten. „Aber nur wenige sind bereit, für Qualitätsseife ein paar Cent mehr auszugeben.“

 

 

 

 

 

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