Familienunternehmen

Ein spannendes Geschäft


Ein Mittelständler baut Steuerungstechnik für Kraftwerke und konkurriert mit den Großen der Branche

 

 

Velbert. Matthias Eutebach hat es fast geschafft. Nur noch wenige kleine Felder seiner etwa 20 Meter breiten und 2,50 Meter hohen Mosaikwand sind frei. Dann ist das „Kunstwerk“ aus 25.000 Einsätzen fertig.

 

 

 

Bei dem Mosaik handelt es sich um eine Anzeigenwand, die dem Leitstand in einem Atomkraftwerk bis auf den letzten Schalter ähnelt. Denn die Wand, die das Velberter Unternehmen Helmut Mauell für einen schwedischen Kraftwerksbetreiber baut, wird in einem Simulator einmal Schulungszwecken dienen.

 

 

 

„Was Bosch für die Auto-Industrie macht, das tun wir für Kraftwerke. Wir liefern, bildlich gesprochen, Hirn und Nervensystem für die Energieversorgung“, sagt Geschäftsführer Bernhard Mecking. Zu den Kunden gehören RWE, Eon und Vattenfall, aber auch Stadtwerke, Müllverbrennungsanlagen, Windpark-Betreiber und die Deutsche Bahn.

 

 

 

Großauftrag aus dem Norden

 

 

 

Die Mosaiktechnik gibt es zwar schon seit 50 Jahren. Trotzdem ist sie in vielen Kraftwerken noch im Einsatz, auch in dem schwedischen Atommeiler.

 

 

 

Damit die Schulung des Kraftwerkspersonals absolut realistisch ist, hat der Betreiber den Leitstand in alter Technik nachbauen lassen: eine Wand voller Lämpchen und Anzeige-Instrumente, verbunden durch feine handgezogene Linien.

 

 

 

 

 

 

 

Mit fortschreitender Digitalisierung ersetzten mehr und mehr Bildschirme die Mosaikwände in Kraftwerken und Simulatoren. Und die Velberter Firma, die hierzulande rund 340 und im Ausland 200 Mitarbeiter hat, entwickelte sich ebenso weiter.

 

 

 

Mecking: „Früher waren wir nur für die Anzeigen zuständig. Heute ist die komplette Steuerungs- und Regelungstechnik unser Kerngeschäft.“ So hilft das Familienunternehmen, die Stromversorgung sicherzustellen. Und steht dabei im Wettbewerb zu den Großen der Branche wie Siemens und ABB.

 

 

 

Die Firma hat sich mit der Ausrüstung des Kraftwerkneubaus in Moorburg bei Hamburg den größten Auftrag der Firmengeschichte gesichert – allein das bringt Arbeit bis 2013. Dabei geht es um einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“, so Mecking. Viel für eine Firma, die zuletzt 60 Millionen Euro umgesetzt hat.

 

 

 

„Unser Business unterliegt großen Schwankungen, weil es von Projekten abhängt. Wenn die Energiekonzerne investieren, geht’s uns gut. Das ist jetzt der Fall“, sagt Mecking. Dabei spielen erneuerbare Energien eine große Rolle. Das Problem: Wind- und Sonnenenergie fließen nicht regelmäßig. Hinzu kommt, dass immer mehr Haushalte ihren Ökostrom selbst erzeugen und die überschüssige Energie ins Netz einspeisen. Was die Situation noch verschärft.

 

 

 

Hirn für lokale Trafohäuschen

 

 

 

Deshalb arbeitet Mauell daran, die Netze auf lokaler Ebene mess- und regelbar zu machen, entwickelt mit Partnern das Hirn für all die kleinen Trafohäuschen in den Ortschaften. Schon konnten die ersten Versorger für das Projekt gewonnen werden.

 

 

 

Dagegen wirkt die Mosaikwand wie ein Dinosaurier. Wie auch die Simulationsleitstände fast aller deutschen Atommeiler, die in Essen bei der Kraftwerks-Simulator-Gesellschaft stehen. Sie entstanden bei Mauell.

 

 

 

 

 

Info: So kommt der Strom in die Steckdose

 

 

Die Spannung in den Überlandleitungen beträgt 400.000 Volt.Sie wird Schritt für Schritt heruntertransformiert – zunächst auf 110.000 Volt für die regionalen Verteilnetze. Kleinere Umspannwerke bringen den Strom auf eine Spannung von 10.000 bis 20.000 Volt für die lokalen Netze. Örtliche Trafohäuschen machen daraus Drehstrom mit 380 Volt, für den Herd daheim. Und versorgen die Haushalte mit einer Spannung von 220 Volt für die Steckdose.

 

 

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