Erfahren mit Gefahren

Ein Sicherheitsexperte von MAN forscht für weniger Lkw-Unfälle

Test: Eberhard Hipp im MAN-Forschungszentrum „Fahrer-Arbeitsplatz“. Foto: Bodmer

München. Radfahrer oder Fußgänger im toten Winkel: Wenn der Lkw-Fahrer sie beim Abbiegen nicht sieht, können schlimme Unfälle passieren. Hier für mehr Sicherheit zu sorgen, ist eine der Aufgaben von Eberhard Hipp (64).

Der Ingenieur für Verkehrswesen leitet die zentrale Konzernforschung des Münchner Lkw- und Busherstellers MAN Truck & Bus. Mit seinem Team entwickelt er elektronische Assistenten, die vor Gefahren warnen. Dafür beschäftigt er sich mit der Technik, aber auch mit dem Verhalten von Fahrern und Fußgängern.

„Als Forscher erlebe ich den gesamten Weg, bis die Technik auf dem Markt ist“, sagt Hipp. „Das ist aufwendig und dauert Jahre.“

Assistenz-Systeme müssten absolut zuverlässig sein. Getüftelt wird beispielsweise mit der Technischen Universität München an Kameras am Fahrzeug. Diese sollen Fußgänger und Radler nicht nur „sehen“, sondern auch erkennen, ob sie sich bewegen oder etwa an einer Ampel stehen.

Kameras sorgen schon heute für mehr Sicherheit: Ein Beispiel ist der Spurassistent. Der warnt Brummi-Lenker hör- und sichtbar, wenn sie Markierungslinien auf Straßen überfahren, ohne zu blinken. „Solche Systeme sind Sonderausstattung“, sagt Hipp. „Bisher haben rund 10 Prozent der neuen Fernverkehr-Lkws diese an Bord.“

Serienmäßig drin ist in modernen Nutzfahrzeugen natürlich das Antiblockiersystem fürs Bremsen und das elektronische Stabilitätsprogramm ESP. Aber auch ein Assistent, der den Bremsdruck verstärkt: Er reagiert, wenn ein Fahrer zu zögerlich aufs Pedal tritt. Von 2015 an müssen überdies alle neuen Nutzfahrzeuge eine Notbremse haben, die im Fall des Falles das Fahrzeug selbsttätig zum Stehen bringt. Das ist eine Vorschrift der EU.

MAN-Experte Hipp, der im August dieses Jahres in den Ruhestand geht, hat schon viele neue Regelungen und Produkte miterlebt. Seit 1978 arbeitet er für die Nutzfahrzeugsparte des Unternehmens – und beschäftigt sich mit Verkehrssicherheit, mit Kraftstoffen und ihrem Verbrauch, mit Fahrdynamik sowie mit der Entwicklung von Prototypen.

2012 wurde er sogar mit dem „Europäischen Sicherheitspreis Nutzfahrzeuge“ ausgezeichnet. Begründet hat man die Ehrung damit, dass er „intensiv an der insgesamt sehr positiven Entwicklung der Unfallstatistik von Nutzfahrzeugen mitgewirkt hat“.

Von 1995 bis 2012 ist die Zahl der Lkw- und Transporter-Unfälle mit Personenschaden um 28 Prozent auf knapp 34.000 gesunken – bei rasant gestiegener Transportleistung, so das Statistische Bundesamt. Hipp hat daran einen Anteil. „Meine Arbeit für mehr Sicherheit findet großen Rückhalt im Unternehmen“, erzählt er. „In Großprojekten arbeiten wir auch mit der Pkw-Industrie und Kommunen zusammen. Forschung hat bei MAN einen hohen Stellenwert.“


Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Als Bauingenieur-Student hat mich Anfang der 70er-Jahre das Thema „autogerechte Stadt“ fasziniert. Deshalb entschied ich mich für die Fachrichtung Verkehrswesen.

Was reizt Sie am meisten?
Die Themen Umweltschutz, Verkehrssicherheit und Verhalten der Menschen im Stadtverkehr – und zwar in dieser Reihenfolge.

Worauf kommt es an?
Vor allem auf die Freude, sich immer etwas Neues auszudenken. Und auf ein Team, das selbstständig denkt und Initiative ergreift.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang