Hochschulen

Ein Rendezvous der etwas anderen Art


Internationale Absolventen norddeutscher Hochschulen treffen sich mit Unternehmen

Hannover. Rohit Purandare weiß nicht so recht, wohin mit seinen Händen. Gerade noch hat er am Saum seines graumelierten Sakkos herumgenestelt. Nun rückt er seine Krawatte zurecht, fährt mit der Hand durch sein schwarzes Haar, sucht in seinen Hosentaschen nach einer Haltung, die mehr Ruhe ausstrahlt.

Der junge Mann ist nervös, denn in wenigen Minuten hat er ein Date. Er hat sich bereits Themen überlegt, um peinlichen Gesprächspausen vorzubeugen. „Nachrichtentechnik“, sagt er, „Satelliten und mobile Kommunikation. Das finde ich faszinierend.“

„Es mangelt an Fachkräften“

Purandare ist einer von 53 jungen Menschen, die hier, am Rande der Computermesse Cebit in Hannover, als „High Potentials for Germany“ auftreten dürfen. Ein künftiger Hochschulabsolvent mit exzellenten Noten und internationalem Hintergrund.

Gemeinsam haben der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall, die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit, das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Deutsche Messe AG  eine Plattform eingerichtet, um hochqualifizierten Ingenieur-Nachwuchs mit Personalern aus der Industrie zusammenzubringen.

Purandare und seine Mitbewerber können in „Speed-Dates“, kurzen Vorstellungsgesprächen mit acht namhaften Firmen aus ganz Deutschland, Kontakte knüpfen und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ausloten. Vertreten sind unter anderem der Triebwerkhersteller MTU, der Bremssystem-Entwickler Wabco und die Bosch-Kraftfahrzeugtechnik. Auf der angeschlossenen Firmenkontaktmesse kann man sogar mit über 50 Unternehmen ungezwungen über Bewerberprofile oder konkrete Stellenangebote plaudern.

Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, erklärt das Konzept: „Während in vielen Regionen Europas und der Welt wirtschaftliches Krisenklima, Strukturschwäche und Arbeitslosigkeit herrschen, mangelt es in Deutschland an qualifizierten Fachkräften.“

Auch in der Heimat gute Chancen

Jährlich rund 600 Ausländer schließen in Norddeutschland ein Studium in den Bereichen Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik ab. Rohit Purandare wird sein Elektrotechnik-Studium an der Hochschule Bremen in wenigen Wochen beenden. Er möchte gern weiterhin in Deutschland bleiben, Sprache und Kultur noch näher kennenlernen.

Arbeitslosigkeit in seiner Heimat muss der junge Inder, anders als viele seiner Mitbewerber aus Spanien, Osteuropa oder Zentralafrika, kaum fürchten: Er stammt aus Pune, einer Wirtschafts- und Industriemetropole. Vielmehr hofft er, sich durch gute Deutschkenntnisse für Arbeitgeber attraktiver zu machen.

Es hat sich gelohnt

Claudia Mahrendorf, Personalmanagerin bei Wabco, ist von der Begegnung mit Purandare sichtlich angetan: „Für uns ist es wichtig, Talente zu finden, die genauso international ausgerichtet sind wie unser Unternehmen“, sagt sie. Als nach 15 Minuten der Gong ertönt und die Bewerber zum nächsten „Date“ weiterziehen, schüttelt sie die Hand des Inders. Auch wenn er sich wohl nicht bewerben wird: Sein Lieblingsfeld Satellitentechnik und die Bremstechnik bei Wabco passen nicht zusammen, so groß die gegenseitige Sympathie auch ist.

Die Personalerin: „Anders als bei vergleichbar anonymen Online-Bewerbungen bleibt hier ein Mensch in Erinnerung, eine Persönlichkeit.“ Purandare zieht weiter, zum nächsten Tisch, zum nächsten „Date“. Die Aufregung ist verflogen. Er weiß nun: Sein Fachwissen ist gefragt in der deutschen Industrie. Es hat sich gelohnt, fernab seiner Heimat ein Studium aufzunehmen.

Wiebke Westphal

 

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