Entwicklung

Ein Reifen für alle Fälle


Continental produziert in seinen „Gummiküchen“ raffinierte Spezialitäten

Reifen herstellen ist wie Kuchen backen. So erklärt es Holger Lange, Chemiker in der Forschung und Entwicklung beim Gummispezialisten Continental in Hannover. Der Konzern nennt seine Werke „Gummiküchen“. In Deutschland gibt es zwei: im rheinischen Aachen und im hessischen Korbach.

„Wichtigste Zutat ist Naturkautschuk“, sagt Lange. Dazu kommen Füllstoffe wie Ruß, Silika, Öl und Chemikalien. Die Masse durchläuft bis zu 120 Grad heiße Heizpressen. „Am Ende fällt ein fester Reifen heraus“, fasst der Experte den ausgeklügelten Prozess zusammen.

In Aachen produziert Conti hauptsächlich Pkw-Pneus. In Korbach gibt’s auch Spezialitäten für Zweiräder und Lkw, für Fahrzeuge in Industrie, Landwirtschaft und auf Baustellen. 34.000 Reifen purzeln hier täglich vom Band. Viel Know-how ist nötig, damit die alle Anforderungen meistern.

Schnelligkeit

Pkw- und Lkw-Reifen unterscheiden sich in ihrem Tempolimit. Autos fahren viel schneller: „Hier wirken enorme Zentrifugalkräfte auf den Gummi“, erklärt Lange. Hinzu kommen noch Reibung und Hitze. Spezielle Tuning-Reifen von Conti halten bis zu 360 Stundenkilometer aus.

Stark

Dafür verkraften Industriereifen große Lasten. Werden die Gewichte zu schwer, sind „Modultransporter“ gefragt. Sie nehmen es sogar mit Kirchen (großes Foto) oder über 15.000 Tonnen schwerenOff­shore-Ölabscheidern auf. Entscheidend ist die Reifenfüllung. Während die Kirche vor vier Jahren noch auf Luft  rollte, ist man heute weiter – und füllt Kunststoff ein.

„Bei einer Füllung mit nur 10 bar Druck scheuert sich ein Schlauch im Reifen unter der Radlast von 12 Tonnen kaputt“, erklärt Ralf Krieger, Leiter Produktentwicklung und Produkt-Industrialisierung von Industrie-Luftreifen. Auch Füllungen mit Wasser oder ein erhöhter Fülldruck erweisen sich als nicht praktikabel. Die Lösung: Kunststoffe. „Wir füllen unter hohem Druck Polyurethan ein“, so der Experte. Unter dem Druck verspannt das System und wird steifer als ein Reifen mit Gasfüllung.

Griffigkeit

Im Rennsport sorgt Grip (Griffigkeit) für Sicherheit auf dem Asphalt. „Dafür entwickeln wir eine spezielle Profilschicht“, sagt Chemiker Lange. Die Kunst liegt in der perfekten Mischung: Je mehr Füllstoff ein Reifen enthält, desto besser ist der Grip.

Handarbeit

In Korbach betreibt Conti das einzige Fahrradreifenwerk Deutschlands. Dort nähen Mitarbeiter leichte Spezialdecken für Rennräder per Hand. Zum Beispiel für die Tour de France. „Für manche Stiche ist die menschliche Hand einfach nicht zu ersetzen“, so Chemiker Holger Lange.

Spezialität

Ebenfalls in Korbach entstehen Winterreifen mit Spikes. Wenige Millimeter dicke Metallbolzen mit Pins werden in den Gummi eingeheizt. „Damit fährt es sich besser als mit Schneeketten“, so Fachmann Lange. Auf deutschen Straßen sind die Spikes verboten, in Skandinavien und Nordosteuropa aber ein Renner.

Superlative

Zwerg und Riese: Der kleinste Reifen von Conti ist für Anhänger geeignet und hat einen Durchmesser von nur 26 Zentimetern. Der Größte misst dagegen 2,3 Meter und trägt einen Radlader.

 

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