Schwerbehinderte

Ein neuer Start nach dem Unfall


Lars Reichelt verlor die Hand. Und fand eine neue Aufgabe

Zorge. Oktober 2007: Ein Arbeitsunfall verändert von einer Sekunde auf die andere das Leben von Lars Reichelt. Die Ärzte diagnostizieren eine schwere Quetschung seiner linken Hand. Sie versuchen alles. Doch sie können die Hand nicht mehr retten.

Für Reichelt, der gerade erst seine Ausbildung zum Industriemechaniker beendet hatte, bricht eine Welt zusammen.

Als Erstes wurde der Vertrag entfristet

„Es war ein unglaublicher Schock“, erinnert sich der heute 24-Jährige. Doch 28 Monate nach jenem schreckli-chen Tag schaut er optimistisch in die Zukunft. Seine Firma, der im Südharz ansässige Gussteile-Produzent Harz Guss Zorge, hat ihn während der Genesungsphase begleitet. Und für ihn mit ungewöhnlichem Einsatz einen neuen Arbeitsplatz eingerichtet.

Eine Halle auf dem Firmengelände wurde frei, weil ein externer Mieter sie nicht mehr benötigte. Ideal für ein Hochregallager, um die Kernkästen, Formplatten oder sonstigen Werkzeuge zu deponieren. Was bislang an vielen verschiedenen Orten auch außerhalb des Firmengeländes zwischengelagert wurde, ist nun zentral auf 2.400 Stellplätzen in fünf „Stockwerken“ bestens sortiert – 1.600 Quadratmeter groß ist das neue Reich von Lars Reichelt.

Es war ein langer Weg, den er zusammen mit dem Unternehmen zurückgelegt hat. „Wir hatten sofort nach dem Unfall engen Kontakt zum Krankenhaus und den behandelnden Ärzten aufgenommen“, erzählt Günter Störmer, der als Behinderten-Beauftragter fungiert und zugleich das umfassende Gesundheitsmanagement organisiert (siehe dazu Beitrag unten). „Die Berufsgenossenschaft schlug vor, dass Lars umschulen sollte – und notfalls eben einen Arbeitsplatz in einer anderen Region annehmen müsse. Doch das kam für uns nicht infrage.“

Stattdessen entschied sich das Unternehmen, sich seinerseits umzustellen: „Uns war sofort klar“, so Störmer, „dass wir für Lars einen Arbeitsplatz bei uns einrichten.“ Als erste vertrauensbildende Maßnahme wurde sein bis dahin noch befristeter Arbeitsvertrag in einen unbefristeten umgewandelt. Einige Monate suchte Störmer nach einem Tätigkeitsfeld, das er Reichelts Behinderung anpassen konn-te. Die Lagerhalle war ideal. Ein Konzept musste her, die Investitionen mit der Geschäftsführung abgestimmt und die für solche Fälle verfügbaren öffentlichen Mittel beantragt werden.

„Das hätte ich mir nicht träumen lassen“

Heute strahlt die frisch renovierte Halle. Für insgesamt 180.000 Euro sind neue Hochregale installiert. Gekonnt steuert Reichelt seinen Schubmaststapler mit einer Hand durch die schmalen Gänge.

Der Computer sagt ihm, wo sein Ziel ist. Und ein spezieller Kran hilft ihm, wenn er wegen seiner Behinderung etwas nicht allein bewegen kann.

Reichelt hatte sich schon nach wenigen Tagen an seinem neuen Arbeitsplatz eingelebt. Heute sagt er mit einem Lächeln: „Das hätte ich mir vor zwei Jahren nicht träumen lassen.“

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