Spritztechnik mit Tradition

Ein Mantel für den Weihnachtsmann


Eltville. Ein kurzer Blick in die Figurenmanufaktur Ino Schaller im bayerischen Neustadt: Gleichmäßig verteilt sich die Farbe auf der weißen Figur aus Papiermaschee. Im Nu hat der eben noch unscheinbare Weihnachtsmann einen roten Mantel an. Anschließend wird er verziert.

Wichtiges Hilfsmittel für die kunstvolle Handarbeit sind die Spritzpistolen von Krautzberger im hessischen Eltville. „Und das seit über 100 Jahren“, betont Ino-Firmenchef Thomas Schaller.

Ob Ledersitze oder Dachziegel

Bereits 1902 meldete Albert Krautzberger ein „durch Druckluft betriebenes Malgerät“ zum Patent an. Die zwangsläufige Verbindung von Luft- und Farbaustritt erleichterte den Umgang mit den ­Geräten.

„Und die Mehrzahl der auch heute verwendeten Druckluftspritzpistolen arbeitet mit diesem System“, erklärt Holger Weidmann, der Krautzberger gemeinsam mit seinem Bruder Thomas führt. Dank ständiger Weiterentwicklungen gilt das Familienunternehmen weltweit als Spezialist rund um das Thema Oberflächenbeschichtung mittels Spritztechnik.

Hauptabnehmer der Geräte und Anlagen sind die Zulieferer der Automobil-Industrie. „Aber wir sind selbst immer wieder erstaunt, in welchen Branchen unsere Geräte genutzt werden“, sagt Weidmann und erzählt von Ostereiern in Regenbogenfarben, Strahlungsschutz für Handys, Schokolade, imprägnierten Ledersitzen und Antihaftbeschichtungen für Dachziegel.

Bei Krautzberger geht es nie um Massenware, sondern um Kleinserien und Speziallösungen. „Unsere Kunden kommen, weil wir innovativ, qualitativ hochwertig und verlässlich sind“, betont Weidmann.

Diese Verlässlichkeit war für das Unternehmen 2009 die Rettung. Die weltweite Finanzkrise bescherte einen dramatischen Umsatzeinbruch. Hinzu kam die hohe Belastung durch den Kauf des alten Betriebs in Leipzig nach der Wende. Die Brüder entschieden sich für eine Plan-Insolvenz. Die Immobilie in Leipzig wurde abgewickelt.

30 der 90 Beschäftigten mussten entlassen werden. Gläubiger verzichteten auf den Großteil ihrer Forderungen, damit es weitergehen konnte.

Neustart nach Plan-Insolvenz

Heute hat der Betrieb wieder 75 Mitarbeiter. Der Umsatz wird in diesem Jahr die 10-Millionen-Euro-Grenze übersteigen. Auch Produktionsmitarbeiter Thomas Limberger atmet auf: „Die Zeit der Insolvenz hat uns zusammengeschweißt, und jetzt geben wir alle unser Bestes, damit uns so etwas nicht noch einmal passiert.“

So ist die Innovationskraft ungebrochen. 2011 gab es den international renommierten Technologiepreis Hermes Award für ein innovatives Dampfspritzverfahren. Ganz neu ist eine Anlage, die erstmals pastösen Dämmstoff versprühen kann. Damit können selbst Ecken oder Dellen leicht gedämmt werden.

Weidmann: „Ob Fachwerksanierung oder Ummantelung von Abgasrohren, die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, deshalb wird das bestimmt ein Erfolg.“

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