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Ein Mantel für den Weihnachtsmann


Zu Besuch beim Weltmarktführer für „Hohlkörper-Verpackungsmaschinen“

 

 

Köln. Jetzt stehen sie wieder in den Regalen – die Schokoladen-Weihnachtsmänner in ihrer rot-gold-schimmernden Pracht. Sie sind der süße Traum für Kinder und erwachsene Naschkatzen – und irre schwer zu verpacken. Wir wollten wissen: Wer zieht dem Weihnachtsmann eigentlich die Alufolie an?

 

 

 

„Da kommen wir ins Spiel“, sagt Tina Gerfer (44), Geschäftsführerin der Firma Wilhelm Rasch in Köln. „Fast alle Hohlfiguren, die in Folie eingeschlagen sind, werden auf unseren Maschinen verpackt.“

 

 

 

Die Enkelin des Firmengründers kennt sich aus mit den Problemzonen von Weihnachtsmännern, Osterhasen und so weiter: „Entscheidend ist die Kombination aus Präzision und sanftem Druck.“ Eine sanfte Maschine? Na klar – denn die Schoko-Figur ist ein ja Weichling! Ganz behutsam fasst ihn deshalb die „Hohlkörper-Einpackmaschine“ an, trotz ihrer dreieinhalb Tonnen Gesamtgewicht.

 

 

 

So schnell ist keiner: 33 Figuren pro Minute

 

 

 

Im Inneren liegt die Nascherei sicher im maßgeschneiderten Formenbett. Aufgepasst: Die rotglänzende Folie wird nicht um den Schokoladenkörper herumgewickelt, sondern oben und unten sanft an ihn gedrückt.

 

 

 

Am Ende fällt ein perfekt angezogener Weihnachtsmann aufs Band. Faltenfrei in Gesicht und Robe. 33 Stück pro Minute schafft die Anlage. „Das ist die schnellste Maschine, die es momentan auf dem Markt gibt“, berichtet der Vertriebsmitarbeiter Christian Wichmann. Mit ihr sind die Kölner Weltmarktführer.

 

 

 

Technik und Wissen der 57 Rasch-Angestellten sind weltweit gefragt. Der Mittelständler produziert insgesamt pro Jahr nur 10 bis 15 neue Maschinen. Jede zweite geht ins Ausland, bis nach Australien und Amerika. Sogar in Saudi-Arabien und Dubai wickeln die Maschinen Kamel-Milch-Schokolade und die Lieblingspralinés der Scheichs ein.

 

 

 

 

 

 

 

Montage und Service rund um die Erdkugel

 

 

 

Die Mitarbeiter lassen ihre Anlagen erst aus dem Auge, wenn sie vor Ort 100-prozentig funktionieren. „Bei jeder Inbetriebnahme ist ein Monteur dabei – egal wo sie stattfindet“, sagt Service-Monteur Marc Ibbeken. Gibt es Probleme, sind er und seine Kollegen in der Regel binnen 24 Stunden zur Stelle, weltweit.

 

 

 

Ibbeken hat in den USA und Kanada, selbst in Japan Maschinen aufgebaut und Personal geschult. Vor Weihnachten nimmt er noch einen „Schnellläufer“, der 400 Schoko-Tannenzapfen pro Minute einwickelt, in Betrieb. Bestellt hat die Maschine ein Süßwaren-Hersteller in Süddeutschland. „Das ist ja fast vor der Haustür“, scherzt er. Regelmäßig gewartet wird diese Maschine in den nächsten Jahrzehnten Hunderttausende Stück einwickeln. So lange halten die Anlagen nämlich.

 

 

 

Der Umsatz des außergewöhnlichen Maschinenbauers liegt bei 5 Millionen Euro. Ein Weltmarktführer in der Nische – und dank stabiler Schokoweihnachtsmann-Konjunktur mit guter Perspektive. Im Jahr 2000 vertilgten die Deutschen 51 Millionen Stück, vergangenes Jahr waren es fast 100 Millionen. Süßes geht eben immer.

 

 

 

 

 

 

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