Entwicklungshilfe

Ein Mann packt’s an


Gerald Dengler baut im Urlaub dörfliche Wasser- und Stromversorgung in Nepal auf

Neustadt/Donau. „Ich fliege nicht rüber, ohne was zu machen“ – das ist sein Motto, daran hält sich Gerald Dengler. Und damit meint er nicht nur die Freude an der Bewegung. Sondern auch Hilfe für Menschen in Not.

Als leidenschaftlicher Sportler  ist Dengler (41), der als Industriemechaniker bei der Firma Behr in Neustadt an der Donau arbeitet, schon durch Island geradelt, am Kilimandscharo und bei  Spitzbergen ist er geklettert. Er war auch in Nepal, in einem Basislager am Mount Everest in etwa 5300 Metern Höhe. Das Unberührte, Schroffe der Natur und im Gegensatz dazu die Freundlichkeit der Menschen haben es dem Niederbayern angetan.

Doch eines Tages kommt er in die Provinz Pawal und das Dorf Juke (sprich „Schuke“). Und er ist schockiert.

1.600 Euro für erste Lebensqualität

„Die Kinder können gar nicht in die Schule gehen“, berichtet Dengler: „Sie müssen mehrmals am

Tag 20-Liter-Kanister mit Wasser aus einem Bach hochschleppen!“

Der Bach liegt 500 Höhenmeter unterhalb des Dorfes – eine Strapaze. Als Instandhalter bei Behr, einem Spezialisten für Autoklima-Anlagen, ist Dengler ein Typ, der anpackt, wenn etwas zu tun ist.  Er legt los – auch mit der sprachlichen Hilfe von Mingma Nuru-Sherpa.

Den Nepalesen, der selbst aus Juke stammt, hat er auf einer früheren Tour als Fremdenführer kennengelernt,  inzwischen sind die beiden gute Freunde. Mit 1.600 Euro – Spenden von Freunden, Verwandten, Kollegen und Geld aus eigener Tasche – organisiert Dengler zunächst den Bau einer Rohrleitung mit Auffangbecken, damit der mühsame Wasserweg entfällt.

Dabei  ist der Material-Einkauf in Nepal billiger als der anschließende Transport durch 16 Träger. Denn die letzte befahrbare Straße liegt sechs Tagesmärsche von Juke entfernt.

Das Projekt verschafft den Kindern Zeit zum Lesen- und Schreibenlernen. „In dem Dorf leben 100 Menschen“, erzählt Dengler. „Und jetzt haben sie auch eine Schule.“

Solarenergie statt schädliche Dämpfe

Kaum ist die Rohrleitung fertig, macht „Geri“, wie sie ihn inzwischen nennen, schon wenige Monate später die nächste Baustelle auf.  Weil das Dorf keinen Strom hat, müssen die Bewohner getrockneten Dung ihrer Nutztiere, meist Yaks, verbrennen. Der aggressive Dampf reizt die Schleimhäute, viele ältere Menschen sehen kaum noch.

Je 30 Meter Kabel, drei Sparlampen und ein Solar-Panel auf jedem der 15 Hüttendächer wirken Wunder. „Die Dankbarkeit war überwältigend“, erzählt Dengler und erwähnt leise, dass alte Leute vor ihm auf die Knie gegangen seien. Auch diese Kosten, 2.200 Euro, hat er zum Teil mit Hilfe seiner Neustädter Kollegen gesammelt. Der Betriebsrat half dabei.

In wenigen Tagen wird er wieder für sechs Wochen aufbrechen, er setzt dafür gern seinen Jahresurlaub ein. Das neue Projekt: der Bau eines 5,5 Kilowatt-Wasserkraftwerks ein Dorf weiter.

Obwohl Nepals Regierung die Hälfte der Kosten übernimmt, ist noch nicht das gesamte Material bezahlt.

Doch Dengler ist zuversichtlich, wie immer: „Körperlich sind die Touren immer sehr anstrengend, aber für den Kopf eine Wohltat.“ 

Eva Schröder

Mehr Infos bei Gerald Dengler: pangboche@web.de Pangboche ist ein Ort nahe des Mount Everest, den Dengler für seine Adresse gewählt hat.

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