Medizintechnik

Ein Mann mit Weitblick

Welche kühnen Experimente Kurt Kemmerle für Kayser-Threde im fernen Weltall vorantreibt

München. Kurt Kemmerle, gerade 62 Jahre alt geworden, arbeitet mit dem Feuereifer eines jungen Wissenschaftlers am neuen Projekt „Knorpelwachstum“.

Beim Gedanken an die medizinische Sensation, wenn das Experiment im Weltraum glückt, kommt der Projektleiter Raumfahrt beim Hightech-Unternehmen Kayser-Threde richtig ins Schwärmen: „Dann müssen sich Menschen mit Knieproblemen und Bandscheibenschäden keinen Kunststoff mehr in die befallenen Teile spritzen lassen. Der körpereigene Knorpel könnte die Heilung übernehmen.“

Labor-Versuche in der Schwerelosigkeit

Die Universitäten im schweizerischen Basel, im französischen Saint Étienne, in Marburg und Hamburg-Harburg arbeiten schon länger an diesem Medizinthema. Aber die Knorpel wachsen unter Laborbedingungen auf der Erde einfach nicht richtig. Die Wissenschaftler versprechen sich deshalb Erfolg von einem Experiment in der Schwerelosigkeit des Weltraums. Dazu brauchen sie ein Unternehmen, das ihren Versuch in den Orbit bringt.

Das vor 40 Jahren gegründete Münchner Raumfahrtsystemhaus Kayser-Threde hat sich da international einen Namen gemacht. Kemmerle und seine Mannschaft sorgen dafür, dass alles klappt. Im aktuellen Fall ist die Europäische Raumfahrtbehörde ESA eingeschaltet. Kemmerle: „Die finanzieren das Experiment.“

Karrierechancen auch für alte Hasen

Seine Laufbahn hat der studierte und promovierte Geophysiker klassisch begonnen: als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni München. 1981 kam er zu Kayser-Threde und hält hier Verbindung zu Hochschulforschern.

Erfahrung mit Experimenten im  Weltraum sammelte Kemmerle schon 1985 bei der D1-Mission: „Weil der Versuch wegen einer falschen Fragestellung unerklärliche Ergebnisse lieferte, mussten wir ihn 1993 bei der D2-Mission in veränderter Form wiederholen.“

Seitdem achtet Kemmerle  auf  die richtige Fragestellung – auch beim Knorpel-Versuch. Denn er ist überzeugt: „Wenn wir beim Experiment da oben nicht alles sorgfältig kontrollieren, werden wir keine klaren Ergebnisse bekommen.“

Unterstützt wird Kemmerle von einem 20-köpfigen Team. Der Jüngste ist 26, der Älteste 64 Jahre alt. „Der Altersunterschied spielt bei der alltäglichen Arbeit keine Rolle, weil jeder in seinem Fach der Größte ist“, so der Teamchef.

Jeder dritte Mitarbeiter bei Kayser-Threde ist über 50 Jahre alt. In einigen Fällen sind sogar zwei Generationen unter Vertrag – der Vater und der Sohn.

Für die vorbildliche Integration der alten Hasen bekam Kayser-Threde im Oktober 2007 den Preis „Unternehmen mit Weitblick“. Pluspunkte gab es für die Karrierechancen dieser Altersgruppe.


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