Mitarbeiter

Ein Konto für viele Lebenslagen


Wer spart, kann bei E.G.O. früher in den Ruhestand

Oberderdingen. Marco Appelt ist gerade 21 und steht erst am Anfang seines Berufslebens. Dennoch macht sich der Werkzeugmechaniker Gedanken über seinen Ruhestand. Er weiß: „Wenn ich in Rente kann, wird die Altersgrenze wahrscheinlich über 67 Jahre liegen. Falls ich nicht so lange arbeiten will, muss ich schon jetzt Vorsorge treffen.“

Das ermöglicht ihm ein in Geld geführtes Lebensarbeitszeitkonto. Sein Arbeitgeber, die Oberderdinger Firma E.G.O. Elektro-Gerätebau, bietet es seit November letzten Jahres seinen fast 2.000 Mitarbeitern in Deutschland an.

Dafür hat das Unternehmen, einer der weltweit größten Zulieferer im Hausgerätebereich, mithilfe der Tarifpartner einen Ergänzungstarifvertrag und eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen.

Das Geld ist insolvenzgesichert

Jeder Beschäftigte kann freiwillig Teile von seinem Monatseinkommen oder von Einmalzahlungen wie etwa Urlaubs- und Weihnachtsgratifikationen sowie Prämien auf das Konto einzahlen – steuer- und sozialversicherungsfrei. Das Geld ist gegen Kurzarbeit und Insolvenz gesichert.

Das Ersparte muss nicht unbedingt für den vorgezogenen Ruhestand eingesetzt werden. Schon während des Berufslebens kann das Konto nützlich sein: für verlängerte Elternzeit, Pflege erkrankter Angehöriger oder zur Weiterbildung.

Mit Blick auf diese kürzere Frist hat auch Marcus Kornherr das Konto. Der 44-jährige Arbeitsvorbereiter schätzt die Möglichkeit, es vorher nutzen zu können. „Die Betriebsparteien haben was Gutes auf den Weg gebracht“, sagt Kornherr, der auch Betriebsrat ist.

„Mit diesem Konto wollen wir es unseren Mitarbeitern erleichtern, Beruf und Privatleben zu vereinbaren“, erklärt Johannes Haupt, der Vorsitzende der Geschäftsführung, wohl wissend, dass „das Ansparen ein längerfristiger Prozess ist“.

Bis zu sechs Jahre früher in Rente

Die Voraussetzungen dafür, über viele Jahre Geld zurückzulegen, sind bei E.G.O. jedoch ideal. Es gibt fast keine Fluktuation: Die Mitarbeiter bleiben im Schnitt 18 Jahre. Jedes Jahr werden bis zu 100 Jubilare für ihre 25- oder 40-jährige Betriebszugehörigkeit ausgezeichnet.

„Wenn ein 20-Jähriger monatlich regelmäßig 100 Euro einzahlt, kann er 37 Monate früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden“, rechnet Markus Blümle vor, der Leiter Sozial- und Personalwesen Deutschland. In Kombination mit

der Altersteilzeitregelung von E.G.O. seien es sogar volle sechs Jahre. Auch für Ältere ist das Lebensarbeitszeitkonto noch interessant: Wenn ein 50-Jähriger die 100 Euro einbringt, kann er immerhin neun Monate früher in Rente.

Die Montagearbeiterin Annette Muras (49) hat sich dennoch bisher nicht dafür entschieden: „Es ist ein gutes Angebot. Aber ich nutze schon andere Wege der Altersvorsorge. Und wenn ich gesund bleibe, möchte ich möglichst lange arbeiten.“

Bereits zwei Monate nach Einführung des Lebensarbeitszeitkontos haben 75 Beschäftigte einen Vertrag abgeschlossen. Ganz ohne Risiko: Wer schon vor dem Rentenalter geht, kann sein Erspartes auf den neuen Arbeitgeber oder die Rentenversicherung übertragen. Er kann sich das Geld auch auszahlen lassen, plus Zinsen, abzüglich Steuern. „Verloren geht ihm also nichts“, so Haupt.

 

 

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