Transport

Ein Koloss geht auf die Reise


HAW Linings produziert Verdampfungsanlage

Bornum. In den Hallen der HAW Linings (Harzer-Apparate-Werke) in Bornum am Harz ist ein Koloss produziert worden – eine Verdampfungsanlage: Sie ist 10 Meter lang, 5,5 Meter im Durchmesser, 25.000 Kilo schwer. Auftragsvolumen: 250.000 Euro.

Bei der Kali + Salz AG in Wunstorf soll der mächtige Apparat künftig Salz aufbereiten. „In sechs Stufen verdampft das Wasser in der Anlage, der Druck fällt stetig ab und so schwindet das Wasser in vollem Vakuum am Schluss schon bei 30 Grad Celsius“, erklärt Wilfried Wagner, Senior- Manager Technik bei HAW Linings. Eine vier Millimeter starke Gummierung schützt das Metall vor Korrosion. HAW ist Spezialist auf diesem Gebiet. Das Unternehmen hat Gummierungen für Korrosionsschutz 1922 erfunden.

„Ich kenne jede Brücke“

Konstruktion, Statik, Stahlbau, Gummierungen, Montage – das sind die Einzelschritte des Auftrags. Jetzt folgt der Transport. Viel Erfahrung mit kniffligen Transporten hat Dieter Siebert.

Er wird den Schwertransport von Bornum nach Wunstorf steuern. „Vor ein paar Tagen habe ich erst einen 14 Meter langen Kessel gefahren“, sagt der sonnengebräunte Kraftfahrer aus dem Westerwald. Seit 16 Jahren ist er in Sachen Schwertransport unterwegs. „Ich kenne so gut wie jede Brücke, weiß, wie hoch sie ist.“

Einige solcher Unterführungen wird er in der kommenden Nacht umfahren müssen. Statt der knapp 95 Kilometer liegen daher gut 150 Kilometer vor ihm. „Enge Straßen, schmale Bahnübergänge, es ist ganz schön mühsam, so eine Strecke auszuarbeiten“, so HAW-Manager Wagner.

„Wenn dann am Straßenrand auch noch Autos parken, dann wird es eng.“ Um solche Engpässe zu vermeiden, sind im Vorfeld 390 Halteverbotsschilder auf der ausgearbeiteten Strecke aufgestellt worden. Zwei Streifenwagen werden den Schwertransport begleiten. Um 21 Uhr geht es los, schneller als 30 Stundenkilometer wird Siebert nicht fahren können, und so erwarten die Wunstorfer den Transport gegen 6 Uhr in der Frühe.

 

Platter Reifen stoppt die Fahrt

Dort muss die Anlage per Spezialkran durch das Dach eines 60 Meter hohen Gebäudes bugsiert werden. „Dabei haben wir nur fünf Zentimeter Spiel“, erklärt Wagner.

Dann eine Panne: Plötzlich zischt es. Ein einbetoniertes Gleisstück hat die kurze Fahrt jäh gestoppt, einer der sechs vorderen Reifen ist platt. „Würde man das Grünzeug wegmachen, könnte man solche Sachen sehen“, mosert Siebert.

Doch mit schlechter Laune hält sich der Mann nicht auf. Er greift zu seinem Handy, ruft den Pannendienst an. „Die sind schnell da, haben die Reifen auf Lager. So was bringt uns nicht aus der Ruhe.“

Das beruhigt auch Wilfried Wagner. Der Transport kostet Energie. Doch er ist froh, dass HAW diesen Auftrag hat. In der Krise waren die Kunden zurückhaltend. Jetzt liegt die Auslastung endlich wieder bei 100 Prozent.

Andrea Marwede

Info: HAW Linings

Die HAW Linings GmbH (95 Mitarbeiter) hat sich auf den industriellen Korrosionsschutz spezialisiert. Das Angebot reicht von der Gummierung von Bauteilen und Apparaten bis hin zur Fertigung der Apparate und Stahlbauteile selbst, einschließlich Korrosionsschutz. Das Unternehmen steht für Hightech und Superlative. HAW setzt auch den größten Autoklav der Welt ein. Das ist ein gasdicht verschließbarer Druckbehälter, 17 Meter lang und 6 Meter hoch.

 

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