Energie

Ein Kernkraftwerk wird ausgeschlachtet


Aus und vorbei: Eine der Personenschleusen des Kraftwerks Mülheim-Kärlich wird ausgebaut. Foto: dpa

Ägypten kauft Innenleben des Maschinenhauses

Essen. Aus alten Computern, Kühlschränken und Fernsehern wird herausgeholt, was noch verwertbar ist. Und jetzt steht das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich auf der Ausschlachtbank.

Der 1.300-Megawatt-Atommeiler nördlich von Kob­lenz war nur 13 Monate in Betrieb, musste wegen fehlerhafter Baugenehmigungen 1988 ab­­ge­schaltet werden.

Der Eigentümer, der Essener Energie-Riese RWE, verkauft die konventionellen Teile (also nichts Nukleares!) an die Frankfurter 3Y Logistic und Projektbe­treuung GmbH in Frankfurt. Sie hat den Kaufauftrag vom ägyptischen Energie-Versorger Minya Gas.

Hassan Yunis, Ägyptens Energieminister: „Wir werden mit den Anlagen aus Deutschland ein neues Kraftwerk bauen, das mit Gas angetrieben wird.“

30 Jahre alt – aber gut in Schuss

Das nordafrikanische Land hat ehrgeizige Energiepläne. Ab 2012 sollen neun neue Stromwerke mit einer Leistung von insgesamt 10.500 Me­ga­watt installiert werden. „Alles in allem wird dieses Programm rund 15 Milliarden Euro kosten“, sagt Yunis, „Wir reagieren damit auf das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum.“

Da kommt der Deal mit RWE gerade recht, denn er spart Geld. Allein eine neue Turbine würde die Ägypter rund 100 Millionen Euro kosten. So aber bekommen sie das in Mülheim-Kärlich abgebaute Innenleben des Maschinenhauses, also Turbine, Generatoren und Nebenag­gre­gate, für geschätzte 40 Millionen Euro. Obwohl schon 30 Jahre alt, sind die Teile wegen ihrer kurzen Einsatzzeit noch voll funktionsfähig.

2011 soll der Abbau beendet sein. Rund 9.000 Tonnen Stahl müssen transportiert, Turbine und Generator zerlegt werden. Alles kommt in Kisten. Die wiederum treten dann ihre Reise mit Rhein-Schiff, Lkws und Bahn in Richtung Nordsee an. Von dort schippern die insgesamt 400 Container nach Ägypten.

Der komplette Abbau des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich soll bis 2017 dauern und rund 650 Millionen Euro kosten. Alle alten Kabel, Pumpen und Rohre werden vollständig recycelt.

Giesbert Wiegel

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