Ältere Mitarbeiter

Ein Ingenieur legt im Ruhestand noch einmal eine Extraschicht ein


Harsum. Der Rentner Gunter Scharfe (65) blickt auf 20 Jahre Arbeit beim Förderanlagen-Hersteller Transnorm in Harsum bei Hildesheim zurück. „Sie hat mir immer Spaß gemacht“, sagt er. „Und, mein Gott im Himmel, sie tut es immer noch.“

Als Vertriebsingenieur entwickelte er Projekte, kalkulierte Angebote und erstellte Zeichnungen. Solche Erfahrung steht hoch im Kurs, deshalb greifen immer mehr Betriebe auf ihre Rentner zurück – sofern die das wollen. Scharfe zögerte nicht lang, als Transnorm mit der Bitte an ihn herantrat, ein noch laufendes Projekt zu Ende zu bringen und im selben Zug einen jungen Kollegen einzuarbeiten.

„Wir haben ihn so lieb gefragt, dass er nicht Nein sagen konnte“, sagt Personalleiterin Anja Hagenmüller schmunzelnd. Von Montag bis Donnerstag gibt er sein Wissen an den Wirtschaftsingenieur Andreas Berner (31) weiter. Der ist dankbar: „Es ist hilfreich, auf einen solchen Erfahrungsschatz zugreifen zu können.“

Scharfe hilft auch mit seinen Kontakten: „Ich sage Herrn Berner dann schon mal: Ruf den oder den an!“ Andererseits kommt auch er selbst mitunter an seine Grenzen: „Wenn es am Computer mal hakt, starte ich einen Hilferuf.“

Das Wissen der Ingenieure und Konstrukteure ist das Kapital der Transnorm-Group. Sie zählt zu den weltweit führenden Anbietern in ihrem Bereich: Förderanlagen vor allem für Flughäfen und Luftfrachtzentren in aller Welt sowie Hochleistungsmodule für Stückgut-, Behälter- und Kartonfördersysteme für Kunden wie Ikea, UPS, Bosch und Melitta. Gefertigt wird mit rund 100 Mitarbeitern in den USA und Malaysia, in Harsum hingegen (210 Mitarbeiter und 14 Auszubildende) sitzt die Entwicklungsriege. „Hier steckt das Know-how“, sagt die Personalchefin. Deshalb achte man besonders auf eine ausgewogende Altersstruktur. Im Schnitt sind die Mitarbeiter gut 42 Jahre alt und gut 16 Jahre im Betrieb.

Wenn die Zeit von Gunter Scharfe im April endgültig herum ist, will sein Arbeitgeber auf die Erfahrung des 65-Jährigen nicht ganz verzichten. Für Beratungen bei Projekten könne man sich durchaus vorstellen, ihn erneut zurückzuholen. „Wenn wir ihn dann zu Hause loseisen können“, sagt Hagenmüller.

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