Nachwuchs-Kräfte

Ein heißer Job


Ausbildungsberuf Werkfeuerwehr: Pionier ist eine Frau

Hanau. Der Kragen der dicken sandfarbenen Jacke bedeckt den ganzen Hals. Die Füße stecken in schweren Stiefeln mit Profilsohle, die Hände in schwarzen Handschuhen. Das Gesicht ist vom Atemschutzgerät fast völlig bedeckt. Wenn Denise Feick ihre Einsatzkleidung trägt, ist nicht zu erkennen, dass sie eine Frau ist.

Die angehende Werkfeuerwehrfrau lernt seit vier Monaten im Bildungszentrum Rhein-Main beim Misch-Konzern Evonik in Hanau. Damit ist die 19-Jährige Pionierin: Der Ausbildungsberuf ist „brandneu“. „Früher haben wir Leute aus anderen Berufen speziell geschult“, berichtet Theo Fecher, Ausbildungsleiter für Naturwissenschaften und Technik bei Evonik.

„Wir brauchen den Nachwuchs dringend“, ergänzt Rainer Heep, Leiter der Werkfeuerwehr im Industriepark. „Das Durchschnittsalter in unserer Wehr liegt bei mehr als 46 Jahren.“ Verständlich. Aber – ist das ein Job für eine Frau?

Die 17 Mitschüler der Berufsschulklasse in der Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim sind beim ersten Treffen jedenfalls wenig überrascht, als Denise Feick auftaucht: „Der Ausbilder hat sie wohl darauf vorbereitet“, erzählt sie mit einem Lächeln.

Im Sport-Test die Jungs abgehängt

Einmal als Feuerwehrfrau zu arbeiten, war schon lange ihr großer Traum. Erfahrung hat sie auch schon gesammelt. Etwa als stellvertretende Jugend-Leiterin der Einsatzabteilung bei der freiwilligen Feuerwehr in Bruchköbel, einer kleinen Stadt im Main-Kinzig-Kreis.

Bevor sie nach dem Fachabitur den Ausbildungsvertrag unterschreiben konnte, hieß es aber erst einmal ab zur Eignungsprüfung: Mathe-Test, Allgemeinbildung, Untersuchung beim Werkarzt. Dort musste sie – wie alle anderen Bewerber – ihre Fitness unter Beweis stellen.

Ergebnis: Feick ließ beim Sport-Test alle männlichen Mitbewerber weit hinter sich! Was im Grunde nicht verwundert: Denn in ihrer Freizeit spielt die junge Frau Handball beim Oberligisten SG Bruchköbel, sie ist Dressurreiterin und geht regelmäßig laufen.

Ausbildung auch in Chemie und Physik

„Natürlich gibt es weniger anstrengende Berufe, aber mich reizt die Herausforderung. Und die vielseitigen Aufgaben“, sagt die frischgebackene Auszubildende. Dabei strahlen ihre blauen Augen vor Begeisterung.

Auf dem Stundenplan stehen neben dem Brandschutz auch Chemie, Physik, Qualitätssicherung, Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Metall- und Elektrotechnik. „Dafür braucht man schon einen Realschul-Abschluss oder das Fachabi“, meint Evonik-Ausbildungsleiter Fecher.

Die Wehr-Azubis lernen von der Pike auf, wie man mit Metall, Holz und chemischen Substanzen umgeht. Sie trennen und verbinden Rohre, schweißen, stellen Holzverbindungen her. Sie befassen sich mit verschiedenen Dachstuhl-Konstruktionen, montieren Heizungs- und Klima-Anlagen, gehen mit Strom um.

Dazu kommt die feuerwehr-technische Ausbildung. Dort lernen die jungen Leute, wie sich Brände verhindern lassen oder wie man im Ernstfall richtig löscht. Außerdem müssen sie ihre Ausrüstung warten und mit Gefahrstoffen umgehen können.

Die Azubis arbeiten zudem einige Wochen in einem Krankenhaus. Das ist für die Prüfung zum Rettungsassistenten nötig. Auch der Lkw-Führerschein gehört zur Ausbildung: „Den brauche ich, um eines der großen Feuerwehrautos fahren zu dürfen“, erklärt Feick.

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Schlagwörter: Ausbildung

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