Menschen

Ein halbes Jahrhundert im Betrieb


Treu und erfahren: Rudolf Schröter sorgt dafür, dass Teile wie dieser Kipphebel-Block immer pünktlich in der Produktion sind. Foto: Puchner

Rudolf Schröter arbeitet seit der Lehre für MAN

Augsburg. Strafen sind Rudolf Schröter zum Glück erspart geblieben. Andere Lehrlinge bekamen vom Meister ab und zu eine Ohrfeige, wenn sie nicht richtig spurten. „Wer unangenehm aufgefallen war,  musste außerdem am Samstag in der Berufsschule nachsitzen und Rechenaufgaben lösen“, erzählt Schröter mit einem Schmunzeln. Er selbst gehörte allerdings zu den Fleißigsten und Besten seines Lehrjahrgangs.

50 Jahre ist das her: Am 1. September 1958 hatte Schröter als 14-Jähriger im Augsburger Werk von MAN Diesel eine Lehre als Hochdruck-Rohrschlosser begonnen. Er lernte das Biegen, Löten und Schweißen von Rohrleitungen aus Stahl und  Kupfer. Die Teile werden für die riesigen Schiffsmotoren gebraucht, die die Firma bis heute in Augsburg baut. Der in der Nähe von Ingolstadt aufgewachsene Schröter hat dem Werk all die Jahre die Treue gehalten.

Die Arbeitsbedingungen von damals sind freilich mit den heutigen nicht zu vergleichen. Der schlanke Mann mit dem grauen Schnauzbart erinnert sich, wie er nach seiner dreijährigen Lehre seine Gesellenzeit in der Rohrschlosserei begann: „Ich bin richtig erschrocken. Es war dunkel. Alles war schwarz und dreckig.“

Lieber denkt er an das erste selbst verdiente Geld zurück. 60 Mark bekam der Lehrling im Monat. Davon durfte er nur 20 Mark be­­halten. „Den Rest musste ich meinem Vater abgeben.“

Blaue Holzski und ein DKW Junior

Die ersten Ersparnisse reichten immerhin für ein Paar Ski. Der MAN-Mitarbeiter weiß es noch ganz genau: „Sie waren aus Holz, blau lackiert, mit einem Spannverschluss und kosteten 54 Mark.“ In Deutschland blühte das Wirtschaftswunder. So konnte sich Schröter 1963 sein erstes Auto leis­ten: einen DKW Junior.

Aufträge für MAN Diesel gab es damals wie heute genug. Mit Überstunden malochte der Akkordarbeiter oft zehn Stunden am Tag. „Abends war ich so müde, dass ich manchmal schon beim Essen einschlief“, erzählt Schröter.

1978 tauschte er die Stelle in der Schlosserei   gegen   einen   Büro-Job. „Nach 20 Jahren in der Produktion etwas Neues zu machen, war für mich eine Herausforderung.“ Im Material-Management sorgt Schröter dafür, dass Teile für den Bau der Dieselmotoren rechtzeitig in der Produktion sind.

Ausführlich Zeitung lesen

Im Jahr des Jubiläums – MAN ist nun stolze 250 Jahre alt – erreicht Schröter das Ende seines Berufs­lebens. In einem Monat, am 10. Dezember, kommt er nach 50 Jahren zum letzten Mal zur Arbeit ins Augsburger Werk. Im Januar wird er 65, und im Februar beginnt seine Rentnerzeit.

Große Wünsche hat der treue Schlosser nicht. Er freut sich da­rauf, ausführlich Zeitung zu lesen und  öfter  die  Skipisten  hinabzuwedeln. Seinen jungen Kollegen rät er zum Schluss: „Die Erfahrungen der älteren Mitarbeiter bewahren und nutzen.“

Joachim Herr

 

Info: 250 Jahre MAN

     

  • Das 1758 als Eisenhütte St. Antony gegründete Unternehmen, das zwischenzeitlich Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg hieß, feierte im Oktober runden Geburtstag.
  • Zu den Highlights der MAN-Geschichte zählen die erste Buchdruck-Schnellpresse und der erste Dieselmotor von Rudolf Diesel 1897.
  • Heute fertigt der MAN-Konzern Lkws, Busse, Dieselmotoren und Turbomaschinen.
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