Ausbildung

Ein guter Platz zum Ausprobieren


Wie die Papiertechnische Stiftung ganz praktisch beim „dualen Studium“ hilft

Heidenau. Ein synchrones „Hauruck“, eine gemeinsame Anstrengung von Khalif Steinbrich (27) und Martin Schernath (24) – dann sitzt der Siebkorb wieder im Drucksortierer. Seine Reinigung war nötig: Der Siebkorb hatte sich mit zu großen Altpapierfetzen zugesetzt.Nun kann das Papiermachen weitergehen. Steinbrich, Schernath und ein Dutzend anderer Studenten üben es gerade – in der Papiertechnischen Stiftung in Heidenau.

Drei Jahre bis zum Abschluss

Die intensive Praxis-Woche am Stadtrand von Dresden ist zugleich ein interessanter Ausflug für die jungen Leute. Sie studieren Papiertechnik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Karlsruhe. Dieses moderne Studium dauert drei Jahre:

Auf zwölf Wochen an der Hochschule folgen jeweils zwölf Wochen im Betrieb.

Dass die meisten im Raum aus papierverarbeitenden Firmen kommen, erstaunt Ausbilder Achim Vogt nicht: „Wer mit Papier umgeht, der muss auch wissen, wie es in der Praxis hergestellt wird.“ Vogt selbst ist aus dem Papierzentrum Gernsbach angereist, mit dem die Hochschule bei der Ausbildung der angehenden Ingenieure eng kooperiert.

Bald wird es ernst, dann steht den jungen Leuten die Prüfung zum „Bachelor of Enginee-ring“ ins Haus. Die praktische Auffrischung des theoretischen Wissens ist da sehr nützlich, findet Steinbrich: „Ich verspreche mir von dem Kurs hier einen tieferen Einblick ins Verfahren der Papierherstellung.“ Der „duale“ Student arbeitet beim Hamburger Unternehmen Baade + Endrulat, einem Produzenten von Dichtscheiben für Schraubdeckel.

Versuche am Rande des Machbaren

Eva Küßner (26) kommt vom Wellpappen-Hersteller Smurfit Kappa in Germersheim. Die Verpackungsmittelmechanikerin arbeitete als Maschinenführerin, das genügte ihr aber nicht mehr: „Ich bin zum Studium gegangen, weil mir die Arbeit Spaß macht und weil ich mich im Beruf entwickeln will.“ Ohne ständige Weiterbildung gehe es in der Branche ja sowieso nicht.

Steinbrich, Küßner & Co. durchlaufen während der Praxis-Woche alle Stationen auf dem Weg, den das Altpapier nehmen muss, um zu neuem Papier zu werden. Da ist zum Beispiel die Trennung nach Sorten und das Entfernen der alten Druckertinte (im Fachjargon: „Deinken“).

„Für die Arbeit an den Stationen erhält jede Gruppe eine Aufgabe, die sie selbstständig umsetzen und dokumentieren muss“, erläutert Betreuer Vogt. Dabei sollen sich dann Vorschläge für Verbesserungen ergeben.

Aber dafür können hier eben auch Versuche am Rande des Machbaren gefahren werden – hier darf Ausschuss entstehen. „Aus Fehlern lernt man noch immer am meisten“, weiß Vogt.

Fachwissen auf dem Prüfstand

Diese ungewohnte Freiheit freut zum Beispiel Torsten Julich (26). Er hat seinen Arbeitsplatz im brandenburgischen Schwedt, in der Papierfabrik Leipa. Während des Studiums arbeitet er an Projekten, um die Papierherstellung zu optimieren. „Praktisch kenne ich das ganze Verfahren“, sagt Julich, „aber in unserer Produktion kann ich bei weitem nicht so viel ausprobieren wie hier, ohne Chaos anzurichten.“

Auch Johannes Kaiser (23) vom Heidenheimer Papiermaschinen-Hersteller Voith ist zufrieden: „Das Seminar hat mir sehr viel gebracht. Wir konnten nicht nur unser technisches Fachwissen auf die Probe stellen, sondern auch vieles ausprobieren, wozu man im Betrieb bei laufender Produktion nie eine Chance gehabt hätte.“

Übrigens: Ganz nebenbei haben Kaiser und die anderen Studierenden während der Praxis-Woche erfahren, dass die Papiertechnische Stiftung ihren Kunden auch noch ganz anders dienen kann – etwa mit anwendungsbezogenen Forschungsarbeiten.

Info: Dienstleister für zwei Branchen

Die Papiertechnische Stiftung (PTS) ist ein hochspeziali-sierter Dienstleister für die papiererzeugende sowie die papierverarbeitende Industrie und ihre Zulieferer. An den Standorten München und Heidenau (Sachsen) forschen insgesamt 150 Mitarbeiter in den Bereichen Produktentwicklung, Prozessoptimierung und Materialprüfung. Die PTS bildet zudem Beschäftigte der beiden Branchen weiter.

Der Jahresumsatz der 1951 gegründeten Stiftung beläuft sich auf 16 Millionen Euro. Getragen wird die PTS vom Verband Deutscher Papierfabriken (VDP), vom Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) und von der Forschungsvereinigung Papiertechnik (FPT). www.ptspaper.de

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