Altersteilzeit

Ein Gruppenleiter des Antennenherstellers Kathrein geht früher in Rente – dank Tarifvertrag

Rohrdorf. Fast 40 Jahre Arbeit liegen hinter Christoph Kürrer. Mehr als die Hälfte hat der 59-Jährige beim Rosenheimer Antennenhersteller Kathrein verbracht, die letzten zehn Jahre im Schichtdienst.

„Körperlich merke ich die Belastung durch den Job schon“, sagt der gelernte Mechaniker. Mit dem schnellen Einschlafen abends will es nicht mehr immer klappen. „Und außerdem sehe ich meine Frau viel zu selten“, ergänzt er. Sie arbeitet in der Hotellerie – und ist deshalb häufig auch am Wochenende nicht daheim.

Kürrer hat daher den 1. August 2017 schon fest im Blick: An diesem Tag beginnt für den Gruppenleiter im Kathrein-Werk IV in Rohrdorf nahe Rosenheim die passive Phase seiner Altersteilzeit – quasi der vorzeitige Ruhestand mit deutlich mehr Zeit für Frau, Hobbys und Familie.

Die Arbeitszeit wird halbiert, der Lohn beträgt 82 Prozent

Oft sind es langjährige Mitarbeiter wie Kürrer, die Schichtdienst hinter sich haben, die dem allgemeinen Trend in der Arbeitswelt nicht folgen. Denn der heißt: länger im Job bleiben. So steigt etwa – auch aus demografischen Gründen – in den Betrieben der bayerischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) seit Jahren der Anteil der Älteren. 14,2 Prozent der Mitarbeiter waren 2013 älter als 55 Jahre. 2008 lag der Wert noch bei 10,1 Prozent.

Kathrein-Mann Kürrer dagegen profitiert von einer Möglichkeit, die der Tarifvertrag der bayerischen M+E-Industrie älteren Beschäftigten bietet. In den letzten sechs Jahren vor dem regulären Rentenbeginn im August 2020 halbiert der Mitarbeiter seine Arbeitszeit, erhält im Gegenzug aber dank der ergänzenden Zahlungen des Arbeitgebers immerhin 82 Prozent seines bisherigen Nettolohns.

Wie rund 90 Prozent aller bayerischen M+E-Mitarbeiter in Altersteilzeit nutzt Kürrer das sogenannte Blockmodell. Das heißt, er reduziert nicht seine Tages- oder Wochenstunden, sondern arbeitet die ersten drei Jahre Vollzeit und bleibt dafür dann drei Jahre komplett daheim. „Anders wäre es mit meiner Arbeit auch schlecht zu vereinbaren gewesen“, sagt der Gruppenleiter.

Kürrer leitet ein 14-köpfiges Team in der Fertigung. Dort organisiert er die Erstserien-Produktion neuer Mobilfunkantennen. Läuft nach einigen Wochen schließlich alles reibungslos, werden die erprobten Fertigungslinien dann in anderen Werken aufgebaut.

„Die Arbeit macht mir immer noch viel Freude“, sagt Kürrer. Trotzdem will er im Alter lieber etwas kürzertreten. Laut Tarifvertrag können bis zu 4 Prozent der Mitarbeiter eines Unternehmens Altersteilzeit in Anspruch nehmen. Über alle Betriebe hinweg machen das rund 3 Prozent der bayerischen M+E-Beschäftigten. Bei Kathrein sind es noch deutlich mehr.

Die finanzielle Unterstützung der Firma hilft wie im Fall Kürrer bei der Entscheidung für die Altersteilzeit. Denn es wird nicht nur der Nettolohn kräftig aufgestockt. Die Arbeitgeber zahlen auch zusätzlich in die Rentenkasse ein, damit die Mitarbeiter im Alter keine Einbußen erwarten. „Ohne das alles wäre die Altersteilzeit für mich nicht machbar gewesen“, sagt Kürrer. Seine Frau habe sich auch so schon Sorgen gemacht, ob auf Dauer das Geld reichen würde.

Mittlerweile sind die Vorbehalte vergessen und das Ehepaar wird finanziell gesichert die gemeinsame Zeit genießen – etwa in der eigenen Ferienwohnung auf der Ostsee-Insel Usedom.

Kürrer will im vorgezogenen Ruhestand auch für seine drei Enkel öfter da sein, die alle in der Nähe wohnen. Schon heute passt er ab und zu auf sie auf – auch kurzfristig. „Ich springe immer ein, wenn es geht“, sagt er. „In drei Jahren ist dann zum Glück viel häufiger Zeit dafür.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Ich stamme aus Oberschlesien, einer Industrieregion. Dort lag es nahe, als Jugendlicher einen technischen Beruf zu ergreifen – zumal mein Vater Kfz-Meister war.

Was reizt Sie am meisten?
Ich beschäftige mich bei Kathrein jeden Tag mit moderner Technik. Dauernd verändert sich etwas. So entwickle auch ich mich weiter und bleibe nicht stehen.

Worauf kommt es an?
Als Gruppenleiter muss ich meine Fertigungslinie mithilfe der Mitarbeiter perfekt organisieren. Das bedeutet viel Eigenverantwortung. Alle nötigen Einzelteile müssen da sein – zur richtigen Zeit, in der richtigen Menge und in der richtigen Qualität.


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