Sichere Jobs

Ein ganz besonderer Pakt


Mannheim. Es geschieht alle dreieinhalb Minuten: Ein Führerhaus wird auf das Fahrgestell aufgesetzt. In diesem Moment sind Schnelligkeit und Präzision gefragt, jeder Handgriff muss sitzen.

Dafür sorgen hochqualifizierte Facharbeiter bei John Deere in Mannheim, dem größten Traktorenwerk Deutschlands. In der Produktion sind rund 3.000 Mitarbeiter beschäftigt, weitere 700 in der angeschlossenen europäischen Bereichsleitung.

Zeitarbeiter werden gleichgestellt

„Mannheim ist der zweitgrößte Standort nach dem Hauptsitz in den USA“, sagt Personaldirektor Ingolf Prüfer. Schon deshalb sind Unternehmensleitung und Betriebsrat stolz auf das im vergangenen Sommer gemeinsam geschnürte Zukunftspaket. „Kern der insgesamt vier Ergänzungstarifverträge ist die hohe Flexibilität des Unternehmens bei gleichzeitiger Jobsicherheit“, so Prüfer.

Dafür werden alle Arbeitsstunden, die über die tarifliche Arbeitszeit hinausgehen, auf einem Zeitkonto gesammelt. Der Rahmen reicht von minus 280 bis plus 600 Stunden. Zusätzlich kann jeder Beschäftigte ein eigenes Polster von 140 Stunden aufbauen.

Im Gegenzug verpflichtet sich das Unternehmen, den Anteil von befristet Beschäftigten und Zeitarbeitern auf maximal 10 Prozent zu reduzieren.

Außerdem werden sie den Stammbeschäftigten gleichgestellt: über Zuschläge beim Entgelt, wie auch bei Urlaubsanspruch oder Kantinenessen.

Betriebsratschef Rainer Wietstock: „Wir sind uns einig, dass die Löhne der Zeitarbeiter für die Wettbewerbsfähigkeit eines Premiumherstellers wie John Deere nicht entscheidend sind.“

Die höheren Kosten für das Unternehmen werden durch mehr Flexibilität ausgeglichen. Außer durch die Zeitkonten gewinnt John Deere auch an Beweglichkeit, weil künftig mehr 40-Stunden-Verträge möglich sind. Bisher durfte nur jeder Fünfte mehr als 35 Stunden arbeiten. Jetzt kann ein bestimmtes Stundenvolumen, das sich aus 20 Prozent der Arbeitszeit aller Beschäftigten errechnet, auf beliebig viele Köpfe verteilt werden – je nach Bedarf und Bereitschaft der Mitarbeiter.

Mannheim ist eine wichtige Schaltstelle

„John Deere ist ein großer Wurf gelungen, der dem Standort langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit sichert“, sagt Personalchef Prüfer. „Damit können wir selbst bei massiven Konjunktureinbrüchen wie im Jahr 2009 alle Mitarbeiter weiterbeschäftigen und sind gleichzeitig bestens vorbereitet, auch auf eine wieder anspringende Konjunktur sehr kurzfristig zu reagieren.“

Im Extremfall könnte das ganze Werk acht Monate stillstehen – was kaum vorstellbar ist. Denn hier laufen täglich bis zu 220 Traktoren vom Band. Rund 90 Prozent davon werden exportiert, in über 80 Länder der Welt. Mannheim ist eine wichtige Schaltstelle im globalen Konzern – das soll auch so bleiben.

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