Technische Textilien

Ein fester Job für jeden guten Azubi


Vom Schirmstoff zu Flächen für den Digitaldruck: Junkers & Müllers erfindet sich immer wieder neu

Mönchengladbach.  „Jeder Azubi, der sich behauptet, hat hier sofort auch einen unbefristeten Job.“ Das verspricht Geschäftsführer Udo Jakobs – ob-wohl es bei Junkers & Müllers nicht nur um ein paar junge Leute geht: Gleich 31 Azubis sind in der Firma für technische Textilien zu finden, mehr als 10 Prozent der Belegschaft. Dass die Lehrlinge ihren künftigen Job praktisch in der Tasche haben, liegt nicht zuletzt daran, dass das Familienunternehmen sich immer neu erfindet.

Angefangen hat alles mit Regenschirm-Stoffen, vor mehr als 50 Jahren. Aus wasserabweisendem Gewebe später auch Duschvorhänge zu machen, das lag nahe. Wer dann stetig dazulernt und reib- und lichtechte Textilien antimikrobiell ausstatten kann – der kann sich eigentlich auch Rollo-Stoffe vorknöpfen. Und genau das tat Junkers & Müllers vor gut zwei Jahrzehnten.

Das Können wuchs weiter, die Kundschaft auch. Heute macht „JM Technical Textiles“ 80 Prozent des Umsatzes mit dem innenliegenden Sonnenschutz. „Wir sind Weltmarktführer unter den Produzenten“, freut sich Jakobs.

Kaffeesatz in der Paste Seit kurzem hängen zum Beispiel im Bundesgerichtshof Rollos mit JM-Ware: Das beschichtete Gewebe mit edler Gitter-Optik bietet neben der vorgeschriebenen Flammfestigkeit einen hohen Transparenzgrad bei gleichzeitigem Blendschutz, die aluminiumbedampfte Rückseite reflektiert einfallendes Licht und ist wärmeisolierend.

30 Meter lang sind die Anlagen, mit denen am Standort Mönchengladbach aus simplem Polyestergewebe solche speziellen Stoffe werden: „Die Beschichtung und Ausrüstung ist unser Herzstück“, erklärt Jakobs, während Maschinenführer wie Mustafa Kurmus und Serkan Zer darüber wachen, dass an den riesigen Rollen alles glatt läuft.

Das in der Beschichtungspaste gesammelte Wissen offenbart sich an verblüffenden Kleinigkeiten: etwa, wenn Textillaborantin Silke Beier Kaffeesatz in die Paste rührt. Nur eine marktgängige Kaffeesorte sei dafür geeignet, sagt Beier. Das Ergebnis sind einzelne dunkle Punkte auf einem hellen Rollo-Stoff, der so zu einer natürlich wirkenden „Baumwollschalen-Optik“ kommt.

Nur ein Beispiel von sehr vielen: Auf 12.000 Artikel ist die Produktpalette angewachsen, ein Dutzend JM-Mitarbeiter tüftelt ständig an Innovationen. „Die Taktfrequenz wird immer schneller, damit die Konkurrenz nicht hinterherkommt“, sagt Jakobs, „und ich suche ständig Entwicklungsingenieure.“

Schließlich soll die Firma ihr Know-how auch künftig für neue Geschäftsfelder nutzen. Das jüngste Kind der Produktfamilie: Textilflächen für den Digitaldruck, die zum Beispiel für riesige Werbebanner benötigt werden. Und für 2008 hat sich JM erstmals außenliegenden Sonnenschutz auf die Fahnen geschrieben. „In drei Jahren werden wir 25 Prozent mehr Umsatz erzielen als heute“, sagt Jakobs voraus. Seine Azubis müssen sich offenbar keine Sorgen machen.

Rollo-Stoff hilft Energiesparen

Zur gerade zu Ende gegangenen Messe „Heimtextil“ hat Junkers & Müllers einen Stapel Neuheiten mitgebracht. So wird auf einigen Rollo-Kollektionen per Schaumdruck ein dreidimensionaler Effekt erzeugt, wie Produktmanagerin Christine Mählmann erklärt. Die Farbwahl ist zurückhaltend: „Ethno-Farbtöne, Gewürzfarben“, sagt sie.

Ein anderer neuer Stoff namens „Thermotec“ bietet eine gute Wärme-Isolation – und damit das Material für ein „Energiespar-Rollo“. Ein technisch anspruchsvolles Verdunkelungsplissee haben sich die Mönchengladbacher ebenso einfallen lassen wie eine neue Qualitätsvorgabe: „Alle unsere Sonnenschutz-Artikel genügen jetzt dem Öko-Tex-100-Standard“, sagt Mählmann.

Einen ausführlichen Bericht über die Messe „Heimtextil“ finden Sie in unserer nächsten Ausgabe.

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