Unternehmenskultur

Effizienter werden: So klappt’s!


Wie Mitarbeiter bei Bitzer Kühlmaschinenbau die Produktionsabläufe verbessern

Rottenburg. Wie wäre das: Als angelernter Produktionsmitarbeiter mitreden, nicht nur kontrolliert werden? Den Chefs sagen, wie’s in der Produktion am besten laufen würde? Das gibt’s! Zum Beispiel bei Bitzer Kühlmaschinenbau in Rottenburg.

Dort hat Werkleiter Christian Wehrle vor einigen Jahren begonnen, ein „ganzheitliches“ Produktionssystem einzuführen, um die Effizienz zu steigern. 

„Erst waren die Mitarbeiter skeptisch“, weiß Bernd Wohld, Leiter des Bereichs Qualitätssicherung. „Aber dann haben sie gemerkt, dass ihre Ideen gefragt sind und umgesetzt werden. Das hat sie richtig motiviert!“

Schulungen direkt am Arbeitsplatz

So sieht das „Bitzer-Produktionssystem“ aus: Mitarbeiter und  Führungskräfte  versuchen laufend, die Abläufe zu optimieren. In sogenannten „Kaizen“-Workshops fragen sie sich unter anderem: Wo

wird Zeit und Material verschwendet? Wie können wir die Qualität verbessern, die Ausschuss-Rate  verringern? Am Arbeitsplatz erarbeiten sie dann Lösungen. Beispiel:  Bei den Maschinen steht heute eine Tafel mit „Mängelkarten“. Bemerkt jemand an einer Maschine einen Mangel, notiert er ihn dort. Etwa: „Filter verstopft“, „Öl tritt aus“.

Wehrle: „So können wir zum Beispiel einen undichten Öl-schlauch austauschen, bevor es bei einer Maschine zu größeren Ausfällen kommt.“ Sauberkeit und Ordnung sind das A und O. So hat jeder ein rollbares Board, das mit einem zum Arbeitsprozess passenden Werkzeugsatz bestückt ist.

Grundideen stammen aus Japan

Die Lagerbestände wurden auf ein Minimum reduziert. Auch das spart Geld! Viele Elemente dieses Produktionssystems stammen aus Japan. Dort haben einige Firmen aufgrund der hohen Produktionskosten Standards geschaffen, die weltweit nachgeahmt werden. Vorreiter ist Toyota.

Wehrle ist sogar mit Kollegen anderer Firmen nach Japan geflogen. Die Reise hat Südwestmetall organisiert.

Jürgen Dörich, Leiter des Projekts „Sicherung von Produktionsarbeit“ bei Südwestmetall: „Mit unseren Studienreisen wollen wir die Erfolgsfaktoren der wenigen japanischen Weltklasse-Unternehmen aufzeigen.“ Interessant sei vor allem, „dass diese Firmen trotz des extrem ungünstigen Kostenniveaus konkurrenzfähig sind und in Japan investieren“.

Bei Bitzer hat sich der Aufwand ausgezahlt. Wehrle: „Um einen Verdichter herzustellen, brauchen wir jetzt etwa 20 Prozent weniger Arbeitszeit.“

BA

 

Info: Bitzer Kühlmaschinenbau GmbH

Das Unternehmen stellt Verdichter und Druckbehälter für die Kälte- und Klimatechnik her. Diese kommen zum Beispiel in den Klimaanlagen von Gebäuden zum Einsatz, aber auch in ICE-Zügen und Supermärkten. In Rottenburg-Ergenzingen, Rottenburg-Hailfingen und Sindelfingen beschäftigt Bitzer insgesamt 600 Mitarbeiter.

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