Entwicklung

Echt abgefahren, diese Firmen


Unternehmensgruppen – das sind oft Konzerne mit über 1.000 Mitarbeitern. Diese hier ist etwas kleine

Solingen. Zündschlüssel rein, Verdeck runter, und los geht’s. Zur nächsten Open-Air-Tour. Cabrio fahren macht Spaß – auch im Audi A5. Und wer denkt schon, wenn er durch Serpentinen oder am Meer entlangkurvt, an Männer wie Marco Lewandowski, die im entfernten Solingen an einem modernen CNC-Bearbeitungszentrum stehen?

Lewandowski sorgt mit dafür, dass es das A5-Cabrio überhaupt gibt. Der Werker bei der Firma Glätzer bearbeitet Scharnierteile, die das Öffnen und Schließen des Stoffverdecks per Knopfdruck erst möglich machen.

Bei diesen Schmiedeteilen kommt es auf höchste Präzision an, jede Bohrung muss exakt stimmen, damit das Verdeck im Auto-Alltag stets sauber schließt.

Der Autozulieferer in Solingen hat sich mit seinen Komponenten für Cabrios und Coupés einen exzellenten Ruf erworben. Dabei hat er gerade mal 14 Mitarbeiter. Glätzer gehört zu einer Firmengruppe mit zwei weiteren Betrieben, die am gleichen Standort fertigen und zusammen nur 35 Menschen beschäftigen.

Warum wurden die Firmen nicht zu einem einzigen Unternehmen verschmolzen? Inhaber und Geschäftsführer Daniel Rautenbach erklärt es: „Die Gruppe ist aus Beteiligung und Zukauf gewachsen. Die ursprünglichen Firmennamen haben wir beibehalten, weil die Kunden daran gewöhnt sind und weil jede Firma eigene Produkte hat.“

Prüflehre vom Schwesterbetrieb

Die Betriebe sind zwar rechtlich voneinander unabhängig, aber dennoch eng verzahnt. Rautenbach: „Alle verfügen über ein spezielles Know-how und ergänzen sich vorzüglich.“

Was das bedeutet, kann man am Beispiel Lewandowski sehen. Das Cabrio-Scharnier erfordert zwölf Zerspanungsvorgänge. Nach der CNC-Bearbeitung muss der Werker die Teile noch entgraten – und vor allem kontrollieren. Er checkt die Bohrungen mit einer Prüflehre, die eigens für diesen Artikel konstruiert wurde. Sie stammt von der Schwesterfirma Knieps, die in der gleichen Halle fertigt.

Knieps hat sich auf den Bau von Sondermaschinen spezialisiert. Oft sind das Einzelstücke. Etwa eine spezielle Fräsmaschine. Oder Bandschleifer für Messer. Oder auch Spannvorrichtungen zur Bearbeitung von Serienteilen.

Eine solche Einrichtung braucht immer mal wieder Glätzer: Entwickelt und kons-truiert wird sie dann von den Knieps-Kollegen. So war es auch bei der Spannvorrichtung für das Audi-Teil.

„Dank der kurzen Wege sind wir schnell und flexibel“, so Inhaber Rautenbach. Und da jeder Betrieb seine eigenen Märkte bedient, sei man nicht nur von einer Branche abhängig. Diesmal freilich nutzte das nicht so viel.

Grund: Die Kunden aus der Auto- sowie der Maschinenbau-Branche bekamen die Krise gleichermaßen zu spüren. „Doch jetzt zieht die Nachfrage wieder an“, so Rautenbach.

Profile für Zylinderschlösser

Und stellt zugleich die Nummer drei der Unternehmensgruppe vor, die Firma Meyer + Dörner, die sich mit Herstellung, Handel und Service von Räumwerkzeugen beschäftigt. Das Fertigungsprogramm reicht von Profilen für Zylinderschlösser bis eben zu Räumwerkzeugen. Die werden zur Zerspanung eingesetzt. Etwa, wenn Getriebeteile hergestellt werden. Und für die Produktion von Turbinenscheiben, für Düsen- oder Kraftwerktriebwerke.

Das Geschäft dieser Firma blieb 2009 von Turbulenzen verschont.

Wilfried Hennes

Klein, aber wichtig

Firmen, wie die in Solingen, sind für unsere Jobs enorm wichtig: Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigen rund elf Millionen Arbeitnehmer (Stand 2008). Sie stellen somit vier von jeweils zehn Stellen.

Betriebe mit 50 bis 500 Beschäftigten haben einen Anteil von 38 Prozent. Und Unternehmen mit 500 Mitarbeitern und mehr kommen auf 21 Prozent.

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