Fachkräfte-Nachwuchs

Durchstarten nach der Lehre


Barntrup. Das Gehäuse ist abgeschraubt, jetzt liegt das Innenleben frei. Zum Qualitätscheck. Jan An­dresen kontrolliert die Kontakte der Steuerungseinheit, die in einer Maschine zum Einsatz kommen wird. Die muss im rauen Alltagsbetrieb reibungslos laufen. Ein verantwortungsvoller Job also.

Der 23-Jährige arbeitet bei der  Firma KEB im westfälischen Barntrup, einem Hersteller von Antrieben und Steuerungssystemen unter anderem für Holzbearbeitungsmaschinen und Kräne.

Freilich ist der baumlange Blonde nicht jeden Tag im Betrieb. Er macht an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe den Bachelor in Elektrotechnik – im Rahmen des dualen Studiums, das Theorie und Praxis verzahnt: „Zugleich bekomme ich noch mehr berufliche Einblicke und halte den Kontakt zur Firma.“

Dabei hat Andresen beruflich schon einiges auf dem Kasten. Er hat bereits bei KEB eine Ausbildung zum Elektroniker absolviert, als Bester seines Fachs von ganz Nordrhein-Westfalen.

Und er kann sich „gut vorstellen“, nach dem Hochschulabschluss als Ingenieur bei KEB zu bleiben – einem Studiengang, bei dem das Unternehmen mit der Hochschule zusammenarbeitet.

Ausbilder Thomas Lalk würde das begrüßen. Dabei ist Andresen im Unternehmen kein Einzelfall. „Mehr als 50 Prozent bilden sich nach der Lehre weiter“, berichtet Lalk, der hier selbst vor 26 Jahren seine Ausbildung begonnen hatte. Das mittelständische Unternehmen hat 76 Azubis, inklusive der 31 jungen Leute, die ein duales Studium machen. Bei 755 Mitarbeitern hier am Standort ist das eine Ausbildungsquote von 10 Prozent.

Um an genug Nachwuchs zu kommen, muss die Firma in der Provinz einiges tun. So hat sie jeweils eine gut ausgestattete Ausbildungswerkstatt für Elektroniker und für Mechaniker. Die Azubis dürfen sogar kaputte Geräte von zu Hause mitbringen, um sie im Betrieb zu reparieren. Das freut auch Lukas Olfert: „Wir können hier praktisch umsetzen, was wir im Unterricht am PC simulieren“, sagt der angehende Industriemechaniker und spannt ein Übungsstück in die Drehmaschine.

Die Azubis Rudolph Koop und Marcel Leseberg haben derweil anderes zu tun. Angespannt beugen sie sich über einen Schaltplan. Sie tüfteln und grübeln, bis ihr „Pflichtenheft“ perfekt ist. „Darin müssen wir erklären, was unser Gleichspannungsmessgerät kann“, sagt Koop. Noch zwei Tage haben sie dafür Zeit. Dann steht die Abschlussprüfung zum „Elektroniker für Geräte und Systeme“ an.

Wer da durchkommt, hat beste Chancen, bei KEB zu bleiben. Im Schnitt werden 95 Prozent aller Lehrlinge übernommen, bei den Ingenieuren mit Bachelor sind es gut 90 Prozent.

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