Beruf und Uni fein verzahnt

Duales Studium: Junge Frau vom Messgeräte-Hersteller Mahr paukt Präzisionsmaschinenbau

Kleinste Abstände und genaueste Messungen sind ihr Ding: Vanessa Bernt hat beim Messgeräte-Hersteller Mahr in Göttingen ein duales Studium absolviert. Die 23-Jährige wollte nicht nur Theorie büffeln, sondern zugleich die Praxis lernen.

Arbeit am Messgerät: Beim Hersteller Mahr hat Vanessa Bernt praktische Erfahrungen gesammelt. Foto: Gossmann

Arbeit am Messgerät: Beim Hersteller Mahr hat Vanessa Bernt praktische Erfahrungen gesammelt. Foto: Gossmann

Vorlesung in der Uni: Die Theorie lernte die junge Frau im Hörsaal. Foto: HAWK

Vorlesung in der Uni: Die Theorie lernte die junge Frau im Hörsaal. Foto: HAWK

Genauigkeit gefragt: Die Ingenieurin studiert jetzt weiter. Foto: Gossmann

Genauigkeit gefragt: Die Ingenieurin studiert jetzt weiter. Foto: Gossmann

Göttingen. Sie ist jung, hat Power und bereits zwei Abschlüsse in der Tasche: einen als Industriemechanikerin sowie einen als Bachelor in der Fachrichtung Präzisionsmaschinenbau. Vanessa Bernt hat ein duales Studium absolviert. Das ist anspruchsvoll und erfordert viel Elan. Jetzt hat die 23-Jährige ein neues Ziel: „Ich will noch den Master-Abschluss dranhängen.“

Und das in einem Fach, in dem ohne Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (sogenannte MINT-Fächer) nichts geht. Wer sich im Präzisionsmaschinenbau in die Gesetze, Mechanik und Physik des Allerkleinsten vertieft, muss in diesen Fächern etwas draufhaben. Im Vordergrund des Studiums steht die Entwicklung hochgenauer Komponenten, Messgeräte und Maschinen. Winzigste Zeiträume, kleinste Abstände, superfeine Oberflächen und extrem exakte Messungen spielen eine wichtige Rolle.

Genau das Ding von Vanessa Bernt, die 2012 das Abitur machte. Für sie war klar: „Ich wollte zwar studieren, aber gleichzeitig Praxisbezug haben“, berichtet die junge Frau. „Nur Theorie zu lernen, wäre für mich nichts gewesen.“

Also startete die Abiturientin ins duale Studium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen und begann zugleich eine Ausbildung zur Industriemechanikerin beim Traditionsunternehmen Mahr. 700 Mitarbeiter stellen in der Uni-Stadt Messgeräte her, unter anderem für die Auto-Industrie. Damit prüft man die Qualität von Oberflächen, Motor-, Lenk- und Getriebeteilen, Injektor- und Bremssystemen.

Beim dualen Studium lernen die Studierenden jede Woche drei Tage im Unternehmen und zwei an der Fachhochschule. Dabei können sie das Gelernte direkt nutzen. Für Bernt ist das ein Vorteil gegenüber dem normalen Studium: „Im Betrieb kann man die Theorie unmittelbar in die Praxis umsetzen. Dann versteht man beispielsweise die Mathematik viel besser, die hinter bestimmten technischen Anwendungen steht.“

Ein wichtiger Pluspunkt war für sie zudem, dass sie dadurch als Azubi Geld verdient. „Meine Eltern konnten mir kein Studium finanzieren. Und die Vorstellung, nach dem Abschluss Bafög-Schulden zu haben, fand ich nicht gut.“

Allerdings arbeiten die Verbund-Studenten auch in den Semesterferien die meiste Zeit im Unternehmen. „Dort nahm man aber auf unsere besondere Situation Rücksicht, vor Klausuren durften wir auch während der Arbeit lernen“, erzählt Bernt.

Nur ein kleiner Teil der Studierenden sind Frauen, aber die sind erfolgreich

Finanziell profitiert sie auch jetzt noch vom dualen Modell. Derzeit arbeitet sie beim Unternehmen Mahr 20 Stunden wöchentlich als Werkstudentin; einen erheblichen Teil der Stunden leistet sie in den Semesterferien.

Eines aber hat sich nun geändert. Hatte Bernt unter den etwa 70 Studierenden ihres Bachelor-Jahrgangs noch einige Kommilitoninnen, ist sie nun beim Master-Studium eine echte Rarität. Sie ist die einzige Frau unter mehr als 20 Männern. „Damit muss man umgehen können“, sagt sie gelassen. Denn sie kennt das. „Schon in der Schule im Mathe- und Physik-Leistungskurs waren ganz überwiegend Jungs.“

Professor Manfred Bußmann, der Leiter des Studiengangs, hätte gerne einen deutlich höheren Frauenanteil unter den Studierenden – besonders im dualen Studium. Derzeit sind dort weniger als 10 Prozent Frauen. Die aber seien überdurchschnittlich erfolgreich: „Frauen schneiden häufig sehr gut ab.“ Gefragt sind die Absolventen des Studiums aber allemal, egal ob Frau oder Mann.


Duales Studium verbindet Theorie und Praxis

Foto: HAWK
Foto: HAWK
  • Präzisionsmaschinenbau kann man an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (Foto) in Göttingen auch als Praxisverbund-Studium absolvieren.
  • Das Angebot kombiniert eine betriebliche Ausbildung mit dem Studium und dauert bis zum Bachelor-Abschluss acht statt der sonst üblichen sechs Semester.
  • Die Facharbeiterausbildung zum Feinmechaniker, Feinoptiker oder Industriemechaniker erfolgt im Betrieb.
  • 50 Firmen kooperieren mit der Hochschule. Manche Betriebe bieten aber nur alle paar Jahre eine Stelle.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Metall- und Elektro-Industrie in Niedersachsen

Erfahren Sie Neuigkeiten speziell aus der Metall- und Elektro-Industrie in Niedersachsen: Lernen Sie interessante Menschen kennen, spannende Innovationen und erfolgreiche Produkte – und profitieren Sie von unseren Ratgebern in Sachen Freizeit und Beruf.

Zur Startseite Metall und Elektro in Niedersachsen

Adventskalender-Gewinnspiel

Service-Angebote auf AKTIVonline:

Wirtschaftslexikon
Unternehmensfinder
Energiespar-Rechner
Messe-Kalender
Ferien-Kalender
'' Zum Anfang