Fachkräftemangel

„Du musst halt der sein, der die Roboter baut“


Warum die Wirtschaft so viel in den Nachwuchs investiert

Hannover. Messe-Zeit, Hektik. Aber Siemens-Mitarbeiter Klaus Pache lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er lenkt die Schüler um die Weißhemden auf dem Siemens-Stand in Halle 9. Im Schlepptau hat er Schüler, denen er die technische Revolution des Autobaus erklärt. Fahrerlose Transportsysteme, lackierende Roboter. Die Jugendlichen kommen aus dem Staunen nicht heraus.

„TechtoYou“ heißt die Initiative, der der Produktmanager und die Oberstufenschüler ihre Begegnung zu verdanken haben. „TechtoYou“ – frei übersetzt: Wir bringen dir die Technik nahe – ist zum zweiten Mal Teil der Hannover Messe.

Sie soll dazu beitragen, eines der drängendsten Probleme der deutschen Wirtschaft zu lösen: 95.000 Ingenieure fehlen den Unternehmen derzeit. Das hat das Institut der deutschen Wirtschaft  Köln (IW) für den Verband Deutscher Ingenieure (VDI) ermittelt. Damit nicht genug: Mehr als 60 Prozent der Unternehmen erwarten, dass der Bedarf noch steigen wird – mehr als in jeder anderen Berufsgruppe.

Wachstums-Quellen gehen verloren

Allein im vergangenen Jahr sind der Volkswirtschaft  7 Milliarden Euro Umsatz entgangen, weil 70.000 Stellen nicht besetzt werden konnten, rechnet IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös vor. Der Schaden kann sich noch vergrößern, weil den Firmen droht, mangels Personal die Quellen für Innovationen und weiteres Wachstum zu verlieren.

Abstieg als Hightech-Nation?

So wenige junge Menschen entscheiden sich heute für einen technischen Beruf, dass VDI-Direktor Willi Fuchs vor dem „Abstieg Deutschlands als Hightech-Nation“ warnt.

Da versteht man, warum die Wirtschaft so viel investiert, um Lust auf Technik zu wecken. Aber: Es ist zu schaffen – auch mit „TechtoYou“. Die Schüler loben die Veranstaltung, weil es  hier all das gibt, wofür im normalen Unterricht kaum Zeit bleibt. Da können sie Roboter fernsteuern, in die „wunderbare Welt des Lichts“ reisen und im Zweifel an jedem Rädchen drehen und alles anfassen.

Und als Pache mit seinem Rundgang  am Ende ist, zeigt sich, dass bei den Schülern etwas angekommen ist. „Ich kann mir nicht helfen“, sagt einer leise beim Blick auf die Roboter. „Ich habe das Gefühl, dass die mir mal den Arbeitsplatz wegnehmen.“ „Na ja“, entgegnet sein Nachbar, „dann musst du halt der sein, der die Roboter baut.“

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