Export in die weite Welt

Druckwalzen-Hersteller Westland kooperiert im Ausland am liebsten mit Familienbetrieben

Melle. Georg zur Nedden ist im niedersächsischen Melle verwurzelt. Aber von dieser bodenständigen Region aus schweift sein Blick regelmäßig in Länder wie die Philippinen oder die USA. Denn auch dort sind die Produkte der Gummifabrik Westland ein Begriff. Schließlich ist das Unternehmen global aufgestellt. Dafür hat zur Nedden Grundsätze, die nicht verhandelbar sind: zum Beispiel den, ein Familienunternehmen zu sein.

Westland stellt grafische Walzen für Druckmaschinen her. Die machen 51 Prozent des Umsatzes aus. Von Melle gehen die Druckwalzen in die ganze Welt. „Wir sind in jedem Land vertreten“, erklärt Georg zur Nedden.

Ein weiterer Grundsatz von ihm als Familienunternehmer: Er setzt bei Auslands-Kooperationen ebenso auf Familienbetriebe. „Vertrauen ist die wichtigste Währung“, begründet er dies. In neun Ländern ist Westland selbst mit Tochterfirmen vertreten und hat inzwischen weltweit 660 Mitarbeiter.

Die Kooperation läuft zum Großteil per Lizenzen: Westland hat Firmen, die bereits selbst Gummiwalzen herstellen, und unterstützt sie mit eigenem Know-how. So kann der Betrieb im Ausland ein Westland-Produkt anbieten. Drei Seiten profitieren – Kunde, Partner, Westland. „Da macht sich die Marke Westland bezahlt“, so der Chef.

Hier geht es zum einen um die Walzenproduktion und die Herstellung der richtigen Gummimischung, zum anderen um das nachgelagerte Servicegeschäft: Walzen verschleißen, das Gummi muss erneuert werden, auch dafür braucht man die Spezialisten von Westland.

Firmengründer Ernst zur Nedden fing 1920 in Bredenscheid (Nordrhein-Westfalen) an. Er war der Großvater des jetzigen Inhabers und zog mit der Firma 1941 nach Melle. 1959 übernahm Ernst zur Neddens Sohn Claus den Betrieb. Nach dessen frühem Tod 1978 wurde seine Frau Dagmar zur Nedden Chefin. Schließlich trat Georg zur Nedden 1994 in die Geschäftsführung ein.

Er nennt einen weiteren Grundsatz: „Optimistisch ist ein Unternehmer ja immer.“ Der Optimismus wird allerdings strapaziert, wenn der Unternehmer die Bürokratie in Deutschland anspricht – oder die Steuerpolitik, in der Dinge verquickt würden, die nicht zusammengehörten. Dabei verweist zur Nedden auf die massiv gestiegenen Löhne in den letzten zehn Jahren: „Das muss ja erst mal erwirtschaftet werden.“

Technik für das Gummi beim Lotus abgeschaut

Umso mehr begrüßt er es, wenn die Politik Forschung und Entwicklung fördert. Eine entsprechende Initiative hatte Niedersachsens Regierung jüngst auf dem „Investitionsgipfel Niedersachsen“ von NiedersachsenMetall bekräftigt.

Was Westland auszeichnet: Weiterhin werden eigene Gummimischungen und Technologien wie „LotoTec“ entwickelt – ein der Lotus-Pflanze abgeschautes Verfahren, Walzen mit wenig Haftung herzustellen, die leichter zu reinigen und langlebiger sind. So gibt es weiterhin viel zu tun für die 275 Mitarbeiter in Melle.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang