Anlagenbau

Dosen für die Welt


Hinter der Produktion von Milliarden Blechbüchsen pro Jahr steht ein Maschinenbauer aus Essen

Hier ist höchste Genauigkeit gefragt: Andreas Ruszkowski lässt einen Abtastsensor über das kompliziert geformte Werkzeug einer Maschine fahren, prüft die Maße im Computer nach. Er arbeitet in einem Raum, in dem es immer exakt 20 Grad warm ist. Damit sich die Bauteile um keinen tausendstel Millimeter verziehen.

Aber was werden denn die Anlagen später einmal herstellen? Flugzeugtriebwerke etwa? „Nein, Konservendosen!“, erklärt Rolf Geide. Er ist Geschäftsführer der Essener Firma Cantec, die eben diese Anlagen baut.

„Sie werden fortan mit anderen Augen durch den Supermarkt gehen“, verspricht er. Wer hätte gedacht, dass diese Blechbüchsen, gefüllt mit Tomatenmark, Erbsen, Bohnen, Tierfutter, Nüssen – ja sogar mit Tennisbällen – Hightech-Produkte sind?

Cantec und seine Schwesterunternehmen liefern die kompletten Maschinen dafür: vom Blechzuschneiden bis zum Palettieren der Dosen. Nur Abfüllanlagen nicht.

0,1 Millimeter „dicke“ Blechwand – Rekord!

Mit Cantec-Technik werden jährlich Milliarden Verpackungen aus Weißblech hergestellt. Der Mittelständler ist weltweit führend bei Anlagen für geschweißte Dosen aus drei Teilen: Die bestehen aus Boden, Rumpf und Deckel. Die Cola-Dose aber gehört nicht dazu, sie ist nur aus zwei Teilen.

Wenn die Dosen die Cantec-Kunden verlassen, werden sie stark beansprucht: erhitzt, bedruckt, aufeinandergestapelt, im Lastwagen auf dem Weg zum Händler durchgeschüttelt. Sie dürfen nicht platzen oder Dellen kriegen. Obwohl sie aus immer dünneren Blechen gefertigt werden.

„Wog eine leere Dose in den 80er-Jahren 50 Gramm, so sind es heute nur noch 35, und wir versuchen, das Gewicht weiter zu verringern“, sagt Geide. Querrillen im Rumpf oder winzig kleine Änderungen an der Deckel-Geometrie sorgen unter anderem dafür, dass die Leichtgewichte trotzdem stabil bleiben.

2008 gewann das Unternehmen gemeinsam mit einem Stahlhersteller den Deutschen Verpackungspreis für die Entwicklung der dünnsten Dosenwand der Welt: 0,1 Millimeter. „Wir haben bewiesen, dass unsere Maschinen das können“, sagt Geide. Jetzt sei die Zeit reif für eine Serienfertigung. Bei den riesigen Stückzahlen zählt jedes Gramm.

Wachstumspotenzial sieht die Firma vor allem in Nord- und Südamerika, in Afrika, Asien und Russland. In Regionen, in denen die Transportwege lang sind – und das oft ohne gesicherte Kühlkette. In Entwicklungsländern besitzen viele Haushalte keinen Gefrierschrank: So kann sich die Tiefkühlkost nicht – wie in Europa – gegenüber der Konserve durchsetzen.

„Unsere Maschinen halten zu lange“

Deshalb sind die Monteure oft in der Ferne unterwegs. Wie Markus Hinkelmann. Er nahm kürzlich in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, eine Produktionslinie für Kondensmilch-Dosen eines heimischen Herstellers in Betrieb. Bei deutschen Kunden hat er dagegen kaum etwas zu tun. „Unsere Maschinen halten zu lange. Das ist das Problem“, schmunzelt er.

Auch in China läuft es für Cantec rund: „RedBull hat uns dort gute Geschäfte beschert“, so Geide. Einige Millionen Energy-Drink-Dosen pro Tag rattern jetzt im Land durch Cantec-Maschinen.


Info: Cantec GmbH & Co. KG

Das Unternehmen in Essen gehört zur Schweizer Soudronic-Gruppe und stellt Anlagen für die Produktion dreiteiliger Dosen her. 2010 lag der Cantec-Umsatz bei über 30 Millionen Euro. Der Hersteller beschäftigt rund 160 Mitarbeiter, einschließlich 19 Auszubildende.

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