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Tablet im Unterricht

Digitales Klassenzimmer: Nur zwei Drittel der Lehrer sind mit der Ausstattung zufrieden

Der Internet-Zugang an Schulen ist zu lahm. Und beim Einsatz digitaler Medien hapert es oft noch an der Ausbildung der Lehrer. Das ergab eine Umfrage der LMU München im Auftrag der bayerischen Arbeitgeberverbände.

Ab ins Internet: Moderner Chemieunterricht an einer Realschule in Erlangen. Foto: Karmann

Ab ins Internet: Moderner Chemieunterricht an einer Realschule in Erlangen. Foto: Karmann

München. Digitaler Einsatz von Medien im Unterricht – das meint nicht etwa das Smartphone des Schülers unter der Bank … Spaß beseite: Bayern hat bei der digitalen Bildung schon wichtige Schritte gemacht. Aber da geht noch mehr! Eine Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) macht jetzt klar, wie weit die Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien mit der Umsetzung des digitalen Lernens schon sind – und wo es momentan noch klemmt.

Für die Erhebung des Lehrstuhls für empirische Pädagogik und pädagogische Psychologie der LMU München wurden rund 400 Lehrerinnen und Lehrer aus allen Regierungsbezirken befragt. Ergebnis: Nur rund zwei Drittel sind mit der technischen Ausstattung ihrer Schule zufrieden. Und erst 41 Prozent setzen Medien für interaktives Lernen ein.

So haben zwar mittlerweile fast alle Klassenzimmer Zugang zum Internet (87 Prozent der Befragten gaben dies an). Der ist jedoch vielerorts nicht schnell genug für eine sinnvolle Anwendung im Unterricht. Während Computer und Beamer oft vorhanden sind, fehlt es an modernen Tablets für interaktives Arbeiten – sie sind nur für 17 Prozent der Befragten in den Klassen verfügbar.

Frank Fischer, Pädagogik-Professor an der LMU und Autor der Studie, bestätigt: „Die Grundausstattung ist vielerorts vorhanden. Es überwiegt jedoch die einseitige Nutzung zur Präsentation.“

Denn die Technik allein macht es nicht. Fischer sieht auch Lücken in der Qualifizierung. Nicht nur bei älteren Lehrern, sondern auch bei jüngeren Kollegen. Sie gehen im Alltag zwar versiert mit Internet und Smartphone um. Für den Einsatz im Unterricht fehlt es aber oft an didaktischer Kompetenz, was nicht zuletzt an der Ausbildung liegt. Fischer: „Viele haben in Studium und Referendariat kaum interaktiven Einsatz von Medien erlebt.“

Hier muss sich also etwas tun. Die Pädagogen jedenfalls sind dafür offen: Die Mehrheit wünscht sich mehr Unterstützung durch technische Fachkräfte und Medienpädagogen im Schulalltag.

Aus Sicht der Wirtschaft besteht Handlungsbedarf. „Der Erwerb digitaler Kompetenzen ist wesentlich für unsere Wettbewerbsfähigkeit“, betont vbw-Präsident Alfred Gaffal. An allen Schulen müsse eine lernförderliche IT-Infrastruktur weiter auf- und ausgebaut werden. Und natürlich gepflegt: Laut Studie ist nur ein Viertel der Befragten mit der Wartung der Geräte zufrieden.

Auch die Qualität des Medieneinsatzes muss gesteigert werden, so Gaffal: weniger reines Präsentieren, mehr konstruktives, interaktives Lernen. Dafür nötig sind massive Investitionen in Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte.

„Schüler müssen wissen, wie eine Programmiersprache funktioniert“

Gaffal fordert ein planvolles Vorgehen: „Die Schülerinnen und Schüler müssen systematisch digitale Kompetenzen entwickeln. Sie müssen informationstechnische Grundkenntnisse erwerben und wissen, wie eine Programmiersprache funktioniert.“

Die Studie im Internet: vbw-bayern.de/digitale-bildung


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