Retro-Trend

Dieses Prickeln währt schon 85 Jahre


Die Ahoj-Brause ist genau wie früher – und verkauft sich jedes Jahr besser

Remshalden. Eigentlich läuft ohne Innovationen ja nichts. Allein im vergangenen Jahr meldeten Firmen und Erfinder 59583 neue Patente an. Doch es gibt auch Dinge, die müssen gar nicht neu erfunden werden. Wie die Ahoj-Brause: Die gibt es jetzt schon seit 85 Jahren. Und sie hat sich kein bisschen verändert.

Pro Sekunde ein Zehnerpack

Das prickelnde Pulver kommt aus einer Fabrik des Katjes-Konzerns in Remshalden bei Stuttgart. 60 Leute arbeiten hier – und viele Maschinen. Werkleiter Gerd Martens beobachtet oft mit entspanntem Gesichtsausdruck seine wichtigste Anlage: Ratternd verpackt sie die Brause, exakt 5,8 Gramm pro Tütchen. In einer Sekunde kommt ein Zehnerpack raus.

Von jeder Tüte winkt der blaue Matrose mit seiner Fahne. Genau wie im Jahr 1925, als eine Portion zwei Pfennig kostete.

In dem Werk rumpeln und rauschen auch viele andere Maschinen beharrlich, sie schleudern zum Beispiel bunte Brausestäbchen hervor, Ringe, Lutscher und Puffreis. Aber Werkleiter Martens erklärt mit leichtem Achselzucken: „Die klassische Ahoj-Brause verkauft sich immer noch am besten.“

Sie schmeckt nach Waldmeister, Himbeere, Orange und Zitrone, und ihr Absatz steigt von Jahr zu Jahr. Darüber staunen selbst die Marketing-Experten in der Katjes-Zentrale in Emmerich (Nordrhein-Westfalen) immer wieder. Katja Elles, die Leiterin dieser Abteilung, erklärt, dass mittlerweile sogar die neuen Frigeo-Produkte an das alte Design angepasst werden. Alles Strategie: „So bekommen die Produkte Kult-Charakter und wecken bei Erwachsenen Kindheitserinnerungen.“ Eine Innovation sind zum Beispiel die „Brause Maler“ zum Färben der Zunge.

Die Krise konnte dem Süßwarenhersteller nicht das Geschäft versalzen. Elles: „Wir haben unseren Gewinn sogar gesteigert.“ In diesem Jahr wurden bei Frigeo vier neue Mitarbeiter eingestellt.  

Ab Jahresanfang nehmen die Bestellungen bis zum Sommer zu, weil das Pülverchen bei schönem Wetter besonders beliebt ist. Martens: „Wir merken sofort, wenn die Temperaturen steigen.“ Deshalb wird jetzt schon vorgearbeitet.

Der Matrose winkt auch von T-Shirts

Brause-Erfinder Theodor Beltle hat den Seemann übrigens selbst gezeichnet. Er fand ihn ziemlich modern. Das Rezept war sowieso ein Voll­treffer: Beim Experimentieren mit Natriumhydrogencarbonat und Weinsäure war der Tüftler darauf gekommen, dass diese Stoffe in Verbindung mit Wasser Kohlensäure bilden.

Bei Retro-Fans prickelt nicht nur die Brause. Viele verbinden allein schon mit dem Matrosen angenehme Erlebnisse – und kaufen zum Beispiel auch T-Shirts, von denen er winkt.

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