Karriere in der Luft- und Raumfahrt

Dieses Multitalent beim Raumfahrtkonzern OHB greift nach den Sternen

München. Manchmal arbeitet Gerrit Hausmann für den Abschleppdienst. Aber im All statt auf der Straße! Der Ingenieur arbeitet für das Raumfahrt-Unternehmen OHB System AG in München. Sein aktuelles Projekt: Untersuchungen für einen Greifer, der Weltraumschrott aus dem Orbit schafft, etwa den ausrangierten Umweltsatelliten „Envisat“ der Europäischen Raumfahrtagentur. 2021 könnte es so weit sein.

„Vorhaben in der Raumfahrt dauern Jahre“, sagt Hausmann, „dafür braucht man viel Geduld.“ Und manchmal kommt es anders, als man denkt. Das gilt auch für den eigenen Job, wie er aus Erfahrung weiß. Der Luft- und Raumfahrtingenieur aus Köln kam 2009 als Diplomand nach Bayern ins Unternehmen, das vor der Fusion mit dem Bremer OHB-Konzern im vergangenen Jahr noch Kayser-Threde hieß.

Das fliegende Möbelstück

Die Firma stellte Hausmann als Projektingenieur für Systementwicklungen ein. Heute, mit 32 Jahren, hat er ein ganz anderes Aufgabengebiet: Als Business Development Manager entwickelt er für OHB neue Geschäftsideen. Seit dem Einstieg hatte Hausmann viele Jobs – immer im selben Unternehmen.

An sein erstes Werk für OHB, einen Dummy für einen Kleinsatelliten, erinnert er sich noch gut: „Das Ding sah am Ende aus wie eine Leuchte mit Beistelltischchen.“

Die seltsame Form hat physikalische Gründe. Zeichnet sich kurz vor dem Start einer vollbepackten Rakete ab, dass einer der Satelliten den Zeitplan nicht schafft, füllt der an sich wertlose Dummy dessen leeren Platz. Durch seine besondere Konstruktion hat er exakt denselben Schwerpunkt wie das Original. So kann die Rakete trotz des fehlenden Satelliten stabil und sicher starten.

Das „fliegende Möbelstück“ war nur der Anfang. In den folgenden zwei Jahren tüftelte und rechnete Hausmann für zig Raumfahrtprojekte. „Jedes war spannend.“ Messtechnik für die europäische Trägerrakete Vega (2012), Vorbereitung einer Mondmission und Systeme für die Klimasonde „Merlin“ (sie misst ab 2019 das Treibhausgas Methan in der Erdatmosphäre) – Hausmann, ein kreativer Kopf, der praktische Arbeit mag, war überall beteiligt. Nächste Station wäre eine verantwortungsvollere Stelle in den Satellitenteams gewesen. Wäre …

Doch stattdessen machte Hausmann den Schwenk um 180 Grad, der ihn in den Vertrieb brachte.

Am Ende zählt jedes Gramm

Das war 2012. Plötzlich kam es auf ganz andere Dinge an: „Wiegt ein Satelliten-Bauteil einige Gramm mehr, musste ich als Entwickler alles wieder neu berechnen“, so Hausmann. „In meinem neuen Job geht es um weit größere Zahlen.“

Zuerst sah er das Angebot mit gemischten Gefühlen. Doch heute ist er froh: „Toll, dass mein Chef mir das zugetraut hat.“ In seinem jetzigen Job ist strategisches Denken gefragt. Hausmann lotet aus, woraus ein lohnendes Geschäft entstehen kann, trifft dazu Wissenschaftler und Raumfahrtexperten in aller Welt. Wird ein Vorhaben konkreter, klärt er, was technisch möglich ist und wie es ins Unternehmen passt.

„Dann geht es darum, die richtigen Leute zusammenzubringen.“ Hier helfen ihm Wissen, Erfahrungen und Kontakte aus seiner Anfangszeit als Konstrukteur. Eines nutzt der Ingenieur in jedem Job bei OHB, egal ob es um Technik oder Finanzen geht. Und das ist sein rheinisches Kommunikationstalent.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Durch ein Projekt im Studium. Dabei ging es um die Konstruktion eines Ausstoßsystems für den Fallschirm einer Rückkehrkapsel.

Was reizt Sie am meisten?

Ich mag die Kombination aus Technik, Wissenschaft und Kreativität, wenn es gilt, in jedem Projekt die beste Lösung zum besten Preis zu finden.

Worauf kommt es an?

Man muss optimistisch und flexibel sein und Menschen überzeugen können. Manchmal muss man ein Vorhaben auch ruhen lassen – und es wieder aus dem Hut zaubern, wenn seine Zeit gekommen ist.


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