Elektro-Mobilität

Dieses Jahr geht Benni in Serie


Die Fräger-Gruppe setzt auf Elektro-Antriebe

Immenhausen. „Benni macht uns Mut“, sagt der Industriemechaniker Alexander Schütz. „Er gibt uns die Hoffnung, dass die Kurzarbeit bald zu Ende ist.“

Schütz ist beim Auto­mobilzulie­fe­rer Fräger in Immenhausen bei Kassel beschäftigt. Und Benni ist das kleine Elektrofahrzeug, das im vergangenen September erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wurde, auf der Fachmesse IAA. Sein Clou: der in Immenhausen entwickelte neuartige Elektro-Antrieb. Das kommt nicht von ungefähr. Als Ende 2008 die Aufträge im Kerngeschäft einbrachen, nutzte Fräger frei gewordene Kapazitäten für intensive Entwicklungsarbeiten. „Endlich hatte man mal die Muße, sich einer Idee zu widmen, für die bislang einfach keine Zeit vorhanden war“, erläutert Entwicklungschef Martin Fräger.

Reife Leistung nach nur fünf Monaten

Die Fräger-Gruppe gilt als weltweit führend in der Bearbeitung von Motor-, Getriebe-  und Achsenkomponenten sowie Metallteilen zum Beispiel für die Auto- und Lkw-Hersteller, die Fördertechnik oder die Rüstungsindustrie. Die Wirtschaftskrise mach­te auch vor dem erfolgverwöhnten Familienunternehmen nicht halt. Im Januar 2009 mussten Kurzarbeit angemeldet und schweren Herzens 40 Arbeitsplätze abgebaut werden. „Wir waren gezwungen zu reagieren, um nicht noch mehr zu gefährden“, erläutert Andreas Gräwingholt, Mitglied der Geschäftsleitung.

In dieser Situation widmete sich ein Entwicklungsteam ganz dem Thema Elektro-

Mobilität. „Das ist eine der zukunftsweisenden Techno­logien des 21. Jahrhunderts“, ist Entwicklungschef Fräger überzeugt.

Nach nur fünf Monaten ­stellten die Ingenieure ein komplettes Bau­kastensys­tem für eine mo­derne An­triebseinheit vor: mit Motor, an­gepasster Ge­triebe-Einheit, Wechselrichter und Ladegerät.

Und „Benni“, der umgerüstete Kleinwagen, zeigt: Das System funktioniert. „Mit einer Reichweite von rund 100 Kilo­metern bei voll geladenen Batterien ist der Viersitzer ein ideales Kurzstreckenfahrzeug“, sagt  Gräwingholt.

Hoffen auf die großen Hersteller

Schon ab Mitte dieses Jahres soll Benni in Kleinserien für Nischen-Anwender produziert werden, etwa für städtische Betriebe. Das eigentliche Geschäft erhoffen sich die Macher aus Nordhessen jedoch über die großen Auto-Hersteller: Schließlich eignet sich ihr neuer Elektro-Antrieb nicht nur für Kleinwagen, sondern auch für Lkws und Busse.

Und auch weitere Einsatzgebiete sind denkbar. „Unser elektrischer Antriebsstrang wird bereits von anderen Branchen angefragt“, freut sich Gräwingholt, „darunter der Schiff- und der Flugzeugbau.“ Und der für Benni zuständige Projektmanager Jan Botner ergänzt: „Hier ist allen klar, dass das zukunftsträchtig ist.“

 

Info: Fräger-Gruppe

Das Familienunternehmen hat 360 Mitarbeiter, davon 60 Auszubildende. Hauptsitz ist Immenhausen, ein weiteres Werk steht in Altenburg (Thüringen). Seit der Gründung 1970 hat sich Fräger mit Motor-, Getriebe- und Achsenkomponenten sowie Metallteilen international als System- und Entwicklungspartner etabliert.

www.fraeger-gruppe.de

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