Den Fahrer im Blick

Dieser Psychologe sorgt dafür, dass sich BMW-Fahrer im Cockpit gut zurechtfinden

München. BMW-Kunden in aller Welt sollen bekanntlich „Freude am Fahren“ haben. Eine Voraussetzung dafür ist, dass sie die technischen Geräte an Bord problemlos beherrschen. Wenn etwa ein amerikanischer Autofahrer beim Klingeln des Telefons intuitiv die richtigen Gesten zur Annahme des Gesprächs ausführt, ohne dass ihm das vorher jemand erklären musste – dann ist das auch das Werk von Andreas Keinath.

Keinath, seit 2004 bei BMW beschäftigt, ist promovierter Diplom-Psychologe. Seine Aufgabe ist es, zu vermitteln: zwischen den Ingenieuren, die tolle Systeme und Funktionen entwickeln, und den Kunden, die diese Innovationen bedienen können müssen. „Was nützt es“, fragt er, „wenn ein Fahrer Neuentwicklungen nicht bedienen kann?“

Blick-Aufzeichnung per Eyetracker

Der gebürtige Stuttgarter beschäftigte sich schon früh mit der benutzerfreundlichen Gestaltung von Bedieneroberflächen: bereits am Ende seines Studiums und auch in seiner Berufstätigkeit vor dem Einstieg bei BMW. Heute ist Keinath im konzerneigenen Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) in München tätig, hat in seinem Team neun Mitarbeiter, darunter fünf Psychologen.

Die Arbeit dieser Expertentruppe wird immer herausfordernder: Schließlich gibt es inzwischen nicht nur immer leistungsfähigere Navigationssysteme, sondern auch die Steuerung über Gesten und Sprache und schließlich sogar den Trend zum autonomen Fahren. Im „Customer Usability Center“ des FIZ stehen Keinath und seiner Mannschaft für die umfangreichen Tests mehrere Labore zur Verfügung, darunter ein brandneues.

Zudem sind auf 600 Quadratmeter Fläche zwei große Fahrsimulatoren installiert: Testpersonen nehmen im Cockpit eines 5er-BMW Platz, der hinter den Vordersitzen abgeschnitten ist. Unter der Motorhaube schnurrt kein Antrieb, stattdessen arbeitet dort eine Vielzahl von Rechnern.

Auf eine große Leinwand vor dem Fahrzeugtorso ist ein Straßenabschnitt projiziert: zum Beispiel eine kurvige Landstraße mit Alleebäumen oder eine Fahrbahn in einer Großstadt. Während der simulierten Fahrt muss der Proband etliche Aufgaben lösen. Er muss etwa das Telefon bedienen, ein Ziel im Navigationssystem finden oder die Sprachsteuerung initiieren.

In einem Nebenraum mit vielen Monitoren beobachten Mitarbeiter, wie der Fahrer dabei zurechtkommt und wo er eventuell Hilfe braucht. Ein Eyetracker zeichnet auf, wie lange er wohin blickt. Der Simulator speichert, wie gut er die Spur hält und wie schnell er fährt.

50 bis 60 solcher Versuche mit teilweise bis zu 100 Versuchspersonen werden durchgeführt, wenn Psychologe Keinath und sein Team ein neues Anzeige-Bediensystem derart auf Herz und Nieren testen. Es geht nicht nur um den Bedienkomfort, sondern nicht zuletzt auch um die Verkehrssicherheit: „Wer dabei mehr als zwei Sekunden abgelenkt ist“, so betont der Experte, „stellt eine Gefahr für den Verkehr dar.“

Tests auch in den USA und in China

Natürlich ist die Gruppe frühzeitig in die Entwicklung eingebunden. So lassen sich teure Nachbesserungen vermeiden. Das Verhältnis zu den Entwicklern, die viel Herzblut in ihre Innovationen gesteckt haben, sei nicht immer leicht, erzählt Keinath, da werde man mitunter auch zum Buhmann. Doch er macht klar: „Wir müssen Systeme und Funktionen entwickeln, die zu dem passen, was der Kunde denkt. Nicht umgekehrt.“

Die Kunden werden während der Tests gefilmt. So können auch die Entwickler selbst sehen, wie die Kunden mit dem klarkommen, was sie sich haben einfallen lassen.

Versuchslabore werden auch in den USA und in China aufgebaut. Denn es gilt, nicht nur geschlechts- oder altersspezifische, sondern auch kulturelle Unterschiede zu berücksichtigen: Die Amerikaner brauchen etwa aufgrund von staatenübergreifenden Straßen eine andere Adresseingabe als Chinesen, die auch wegen ihres eigenen Schriftsystems andere Anforderungen stellen.

Und dennoch: „Bei der Bedienung“, weiß Keinath nach einer Vielzahl solcher Versuche, „sind die Differenzen gar nicht so groß.“ Schließlich gelinge es dem Unternehmen ja permanent, Produkte auf den Markt zu bringen, die auf allen Märkten funktionieren. „Und bei denen der Fahrspaß nicht zu kurz kommt.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf? Ich habe mich schon an der Uni mit der Bedienerfreundlichkeit von Innovationen beschäftigt. Bei BMW bekam ich die Chance, mein Wissen konkret anzuwenden.

Was reizt Sie am meisten?

Dass ich an der Schnittstelle von Innovationen und dem Kunden bin. Ich trage dazu bei, Neuerungen so umzusetzen, dass der Kunde sie anwenden kann.

Worauf kommt es an?

Es kommt darauf an, Lösungen zu finden, die den Kunden intuitiv das Richtige machen lassen.


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