Globalisierung

Dieser Mann ist auf Achse


Er arbeitet bei Bornemann. Und die machen 85 Prozent des Umsatzes außerhalb der EU!

Obernkirchen. Die Hälfte seiner Arbeitszeit, schätzt der Monteur Andreas Bünte (48), ist er in Obernkirchen im Schaumburger Land, zwischen Hannover und Bielefeld. „Ansonsten bin ich auf Dienstreise“, erzählt er. „Europa, Afrika, Asien – überall dort, wo unsere Pumpen im Einsatz sind.“

Seit 30 Jahren ist er in der Fertigung am Stammsitz des Maschinenbauers Bornemann beschäftigt. Er kennt die Aggregate aus dem Effeff. „Diese Pumpe, die ich gerade montiert habe, wird später in der Lebensmittel-Industrie eingesetzt.“ Die bestelle zum Transport von viskosen (zähflüssigen) Substanzen zunehmend Pumpen mit der „Spindeltechnik“ aus Obernkirchen.

Detailkenntnisse sind für ihn Gold wert, wenn er als Servicemonteur unterwegs ist. Zuletzt war er in Kuwait. Die Technik der Pumpen beherrscht er locker, doch das Klima war extrem. „Da hatten wir abends um elf Uhr noch 46 Grad. Das war kaum auszuhalten“, erzählt er.

Glänzende Zukunftsaussichten

Rund 100 Millionen Euro Gesamtumsatz erzielt Bornemann pro Jahr. Und den weitaus größten Anteil in einem ganz anderen Bereich: mit Systemanlagen für die Öl- und Gasförderung. Vor 15 Jahren machte das Unternehmen weltweit von sich reden, als es die erste „Multiphasenpumpe“ patentieren ließ.

Die neue Technik stieß in der konservativen Erdöl- und Gasförderbranche anfangs nur auf wenig Interesse und viel Skepsis. Inzwischen aber arbeiten weltweit 600 derartiger Anlagen. 450 davon sind in Obernkirchen gebaut – eine Erfolgsstory.

Die Anlagen können zum Beispiel Öl und Gas gleichzeitig fördern. Oder Öl aus dem Meeresboden von zwei Kilometern Tiefe an die Oberfläche pumpen.

Weil die Förderung dieser Rohstoffe immer aufwendiger wird, führt nach Auffassung von Experten kein Weg an der Multiphasentechnik vorbei. Auch dass die Sicherheitsstandards nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko deutlich erhöht werden, verschafft dieser Technik Rückenwind.

600 Mitarbeiter beschäftigt das Familienunternehmen weltweit, gut 450 davon am Stammsitz in Obernkirchen. Seit der Firmengründung im Jahr 1853 sind von hier aus mehr als 100.000 Pumpen in alle Welt verkauft worden.

Abenteuer-Reise nach Russland

„Wir sind ein Global Player“, sagt Geschäftsführer Gero von der Wense. „Wir waren schon immer exportorientiert. Und 85 Prozent unseres Geschäftes machen wir außerhalb der EU.“

Für Bünte ist bereits die nächste Abenteuer-Reise gebucht: Im Januar kommenden Jahres geht es für eine Woche nach Russland, ein großer Süßwaren-Konzern hat eine Fertigung 150 Kilometer vor Moskau.

„Ich werde da eine Schadensanalyse machen“, sagt der Servicemonteur. Und: „Das Wetter wird wohl wieder extrem.“

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang