Werkorchester: Alles im Griff

Dieser Betriebsschlosser spielt Saxofon in der „Musikfabrik“ Reinhausen

Orchesterprobe: „Mitarbeiter aus allen Ecken des Betriebs.“ Foto: Weigel

Regensburg. Öfter mal was Neues, das gehört für Betriebsschlosser Edwin Hechfellner (48) dazu – im Hobby genauso wie im Job. Eigentlich hat er Tenorhorn gelernt, doch in der „Musik­fabrik“, dem Werkorchester der Maschinenfabrik Reinhausen in Regensburg, spielt er jetzt Saxofon.

„Vier neue Azubis spielen Horn“, erzählt Hechfellner, da nahm ich halt ein anderes Instrument.” Er tauschte kurzerhand sein Blasinstrument und machte Platz für den musikalischen Nachwuchs.

Auch im Beruf ist Hechfellner flexibel. Ob Fräsmaschine, Drehbank oder Hochdruckpresse: Bei MR, wie die Firma überall heißt, bringt er immer wieder andere Geräte auf Trab. Er repariert und wartet Anlagen, mit denen das Unternehmen Stufenschalter zum Übertragen von Strom herstellt. Die nötigen Handgriffe an der Maschine hat er drauf.

Auch die Griffe fürs Saxofon brachte er sich schnell bei. Hechfellner lacht: „Da muss ich schon aufpassen, dass ich nichts verwechsle.“ Horn spielt man im Gegensatz zum Saxofon nur mit einer Hand.

Zwischen Stufenschaltern und Transformatoren übt die Blaskapelle das Marschieren

Der Mann aus Undorf bei Regensburg hat eine musikalische Familie: Frau und Tochter spielen ebenfalls Saxofon. Und Sohn Thomas sitzt sogar mit ihm im Orchester: Er bläst das Tenorhorn – und lernt bei MR im dritten Lehrjahr Mechatroniker.

Die Kapelle tritt mit schmissigen Märschen, zünftiger Blasmusik und modernen Melodien auf. Meist zu Anlässen im eigenen Unternehmen, wie der „Sommerserenade“, einem Konzert für Mitarbeiter und Freunde der Maschinenfabrik.

Das Orchester hat auch Auftritte außerhalb des Werks, etwa beim Frühschoppen auf der Regensburger Dult. Die Einnahmen gehen an Projekte für Kinder in der Region und in aller Welt. Alle 30 Musiker arbeiten bei Reinhausen. „Im Orchester lernt man Mitarbeiter aus allen Ecken des Betriebs kennen“, so Hechfellner, „von der Assistentin bis zum Ingenieur.“ Sein Lieblingsstück? „Der Böhmische Traum, eine Polka. Die ist auch beim Publikum der Renner.“

Mittwochs um zwei, das ist zwischen Früh- und Spätschicht, bittet Dirigent Klaus Ixmeier zur Probe. Für den Zugang zum Probenraum gab’s übrigens eine Sicherheitseinweisung: Um dorthin zu gelangen, muss man am Versuchsfeld vorbei, wo Stufenschalter und Transformatoren getestet werden. „Da heißt es Vorsicht, es sind mehrere 100.000 Volt im Spiel“, erzählt Hechfellner.

In der Werkhalle, wo die Transformatoren gebaut werden, übte die Kapelle das Marschieren – für einen Auftritt in der Live-Veranstaltung „Musikantenstadl“ in der Donau-Arena. Man spielte unter anderem den Marsch „Bei uns dahoam.“ Der Betrieb spendierte dazu Trachten in der Firmenfarbe blau.


Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Mein Vater war Landmaschinen-Mechaniker. Mit ihm habe ich als Junge zu Hause viel repariert.

Was reizt Sie am meisten?
Ich habe mit vielen Maschinen zu tun, mit älteren genauso wie mit neuen: Ich muss wissen, wie eine 30 Jahre alte Wickelmaschine funktioniert, aber auch das brandneue Fräs-Zentrum.

Worauf kommt es an?
Auf Einsatzbereitschaft und Genauigkeit. Droht der Ausfall einer Maschine, ist unser Team zur Stelle und behebt das Problem.

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