Nischenanbieter

Dieser Betrieb ist bodenständig


Slawinski stellt Stahlböden für Kessel, Tanks und Silos her

Siegen. Es zischt, es funkt und der heiße Plasmastrahl schneidet das Stahlblech wie Butter. Zu einem perfekten Halbkreis. Muss auch so sein, denn Verschnitt ist teuer. Das Unternehmen Slawinski ist ein Spezialist für Behälterböden. Und der produziert keine Massenware, sondern kleine Serien und Einzelstücke.

Schweißen und Schleifen der Naht muss der Stahlrohling noch über sich ergehen lassen. Dann drückt ein Riesenstempel auf das flache runde Stück. Immer und immer wieder, zwei Stunden lang. Bis daraus eine Schale geworden ist. „Die Form reindrücken nennt sich Kümpeln“, erklärt Jochen Zaharanski, der die CNC-gesteuerte Anlage stets im Blick behält.

Die Konkurrenz sitzt vor der Haustür

Die Böden, die sein Arbeitgeber in Siegen herstellt, sind für Kessel, Tanks und Silos bestimmt. Diese kommen in den verschiedensten Branchen zum Einsatz: von der Chemie- und Pharma-Industrie bis hin zu Lebensmittel-Fabriken, Energie-Erzeugern, Maschinenbauern und Transport-Unternehmen.

Bis vor 15 Jahren fertigte der Familienbetrieb noch komplette Behälter. Aber dann wurde der Konkurrenzdruck aus Osteuropa zu groß. Die 120-Mann-Firma konzentrierte sich deshalb auf die Böden. Sie erfordern nicht so viel Handarbeit. „Der Schnitt war schmerzhaft“, sagt Geschäftsführer Konstantin Slawinski. Aber er war richtig: Denn seitdem hat sich der Umsatz vervielfacht.

Die Böden sind sperrig und lassen sich nicht gut in Container verfrachten. Der aufwendige und teure Transport ist ein Grund dafür, dass der Betrieb vor allem in Deutschland und den Nachbarländern verkauft. Und nicht etwa in China oder in Indien. Andererseits fürchtet Slawinski von dort auch keine Konkurrenz. Die sitzt zum großen Teil direkt vor der Haustür. 50 Kilometer rund um Siegen fertigen gleich sieben Bödenhersteller. Zusammen haben sie etwa 700 Beschäftigte und erzielen einen Jahresumsatz von geschätzten 250 Millionen Euro. Keine andere Region in Deutschland und Europa ist in dieser Nische so stark.

In der Branche gibt es nur Mittelständler

Man kennt sich, man wirbt sich auch mal die eine oder andere Fachkraft ab. „Diese Nähe führt dazu, dass man sich nicht zurücklehnen kann“, sagt Slawinski. „Wenn wir eine neue Maschine kaufen, hat sie der Nachbar nach einem halben Jahr auch. Deshalb sind die hiesigen Bödenhersteller europaweit führend.“

Vor 20 Jahren, so Slawinski, hatte so gut wie jeder Stahlproduzent noch Böden im Programm. Doch weil das Geschäft eine Zeitlang nicht gut lief, haben es die Großkonzerne eingestellt.

„Der Mittelstand ist aber leidensfähig und zäh: Er begnügt sich mit weniger Rendite – und gibt auch bei zwei oder drei schlechten Jahren nicht auf“, sagt Slawinski. Sein Betrieb verlor in der Krise die Hälfte des Umsatzes, hielt aber dennoch an der Belegschaft fest und investierte in eine neue Halle. Heute ist der Rückgang wettgemacht.

„In unserer Branche steckt noch viel Potenzial“, glaubt er. Früher hat sein Betrieb viele Böden für Petrochemie-Anlagen geliefert. Dann kamen die Biokraftstoff-Produzenten dazu. Bald werden vielleicht große Wasserstoff-Speicher gebraucht. „Mir ist um die Zukunft nicht bange“, betont der Unternehmer. Er will er in den nächsten drei Jahren weitere Millionen Euro investieren.


Info: Slawinski & Co. GmbH

Das Familienunternehmen stellt Böden für den Behälter-, Apparate- und Anlagenbau her. Es hat Werke in Siegen und Bad Laasphe und beschäftigt rund 120 Mitarbeiter (einschließlich 18 Auszubildende). Ein zusätzliches Standbein ist die Herstellung von Designer-Waren für Büro und Haushalt unter der Marke „Konstantin Slawinski“. 2010 setzte das Unternehmen 26 Millionen Euro um. 65 Prozent der Produkte werden im Ausland verkauft.

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang