Nachwuchs

Dieser Azubi ist ein Überflieger


Leistung macht Spaß, sagt der Lehrling und Skispringer Julian Wölfle

Schonach. Gute Arbeit abliefern, schnell sein, Ideen einbringen: Im Beruf geht es meistens um die Leistung. Und was haben wir selbst davon? Leistung und Erfolge können für Glücksgefühle sorgen. Viele wollen noch mehr davon – wie Julian Wölfle (20): Er hängt sich richtig in seine Ausbildung rein und macht nebenbei noch im Skisport Karriere.

Dieser junge Mann hat klare Ziele. Und ein Kribbeln in den Fingern, wenn er an den ersten Schnee denkt. Tagsüber bereitet er sich auf die Prüfung zum Werkzeugmechaniker vor. Danach absolviert er pro Woche acht Trainingseinheiten, eine davon dauert bis zu zweieinhalb Stunden. Denn er will in den deutschen B-Kader der nordischen Kombinierer.

„Man muss sich nur organisieren“

Manche mögen es eben turbulent. „Erfolge fühlen sich gut an“, erklärt der Sport-Freak seinen Bewegungsdrang, und erzählt, wie er das alles packt: „Man muss sich nur gut organisieren. Dann kommen auch Freizeit, Fußballspielen und die Kumpels nicht zu kurz.“ Schließlich muss Zeit für weitere Hobbys bleiben, wie Partys, Computer spielen und Pizza essen.

Seine Ausbildung macht der Sportler beim BIW Burger Industriewerk im Wintersportort Schonach im Schwarzwald. Der Betrieb stellt mit 270 Mitarbeitern Teile und Baugruppen unter anderem für Landmaschinen, Fahrzeuge und die Medizintechnik her.

Wolfgang Förtsch, der Geschäftsführer, staunt zuweilen über Wölfle: „Er ist trotz seiner sportlichen Belastungen unser bester Lehrling.“ Der Firmenchef holt sich gerne Spitzensportler ins Haus, denn er hat festgestellt: Dadurch steigt die Motivation in der ganzen Belegschaft.

Und für die Sportler sei es wichtig, trotz des Trainings die Ausbildung nicht zu vernachlässigen. Bei BIW haben schon andere Top-Athleten ein Praktikum oder eine Aus­bildung gemacht – darunter zum Beispiel Georg Hettich. Der Olympiasieger von 2006 schreibt zurzeit an seiner Doktorarbeit in Medizintechnik.

Gute Werbung für Unternehmen

Für sein Engagement bei der Sportler-Förderung wurde das Unternehmen im Sommer vom Landessportverband Baden-Württemberg als „Partnerbetrieb des Spitzensports“ ausgezeichnet.

Diese Anerkennung bekamen auch 21 weitere Unternehmen im Bundesland, darunter der Maschinenbauer Arburg aus Loßburg: Er beschäftigt den Behinderten-Radsportler Tobias Graf.

Bei Lauda Dr. R. Wobser, einem Hersteller von Temperiergeräten in Lauda-Königshofen, arbeitet der Fechter Paul Sawicki. Und der Ringer Manuel Wolfer macht seine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Mahle Ventiltrieb (Zell im Wiesental).

Firmenchef Förtsch weiß, dass die Spitzensportler eine gute Werbung für BIW sind: „So manches Kundengespräch geht mit dem Thema Sport los.“ Es gibt keine Diskussion, wenn Wölfle im Trainingslager ist – im vergangenen Jahr war das an 54 Tagen der Fall. Er trainiert auch im Sommer, das Langlaufen zum Beispiel auf Skirollern.

Im Frühjahr schließt der 20-Jährige seine Ausbildung ab. Anschließend will er sich im technischen Bereich weiter qualifizieren – damit auch im Berufsleben große Sprünge drin sind.

Übrigens ...

Jugendliche sind ehrgeizig

Hierzulande stehen bei 60 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren Fleiß und Ehrgeiz hoch im Kurs. Das ergab die Shell-Jugendstudie 2010. Leistung ist jedoch nicht alles. 57 Prozent wollen ihr Leben auch intensiv genießen.

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Schlagwörter: Ausbildung

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