Bahn-Zulieferer

Diese weltweiten Standards produziert der Technologiekonzern Voith in Niedersachsen

Salzgitter. Wie Katzenaugen blicken die Scheinwerfer des frisch lackierten Zugs auf den Kunststoffbearbeiter Holger Franzke. Er kontrolliert, ob alles richtig laminiert und versiegelt ist. „Das ist wichtig für den Brandschutz“, erklärt der 55-Jährige. Franzke arbeitet seit 2008 beim Bahn-Zulieferer Voith in Salzgitter – und sein Know-how wird auch in Zukunft gebraucht. Denn das Unternehmen ist bereits jetzt auf viele Jahre hinaus mit Aufträgen aus aller Welt versorgt.

Der globale Trend zu Mega-Citys, berichtet Geschäftsführer Heinz Tengler, sorge dafür, dass in Zukunft immer mehr Schienenfahrzeuge für den Nahverkehr gebraucht werden. „Für die Umwelt ist das auch die einzig vernünftige Lösung“, fügt er an.

Das Teil mit den Katzenaugen etwa, das hier gerade in der Produktionshalle geprüft wird, ist die Bugnase für die „Ein-Schienen-Bahn“ in der westindischen Metropole Mumbai, dem früheren Bombay. „Voith ist international ausgerichtet“, sagt Tengler, „wir sind überall nah beim Kunden.“

Voith ist auch Hersteller der legendären Scharfenbergkupplung, von Bahn-Fans liebevoll „Schaku“ genannt. Mit deren Hilfe können Waggons vollautomatisch ge- und entkuppelt werden, um Zugverbände herzustellen. Der deutsche ICE, der französische TGV, aber auch die Metro der arabischen Metropole Dubai und Schienenfahrzeuge auf der ganzen Welt fahren mit Kupplungen des deutschen Traditionsunternehmens.

Die automatischen Schaku-Kupplungen der neuen Generation sind im Vergleich zu den Vorgängermodellen leichter und noch weniger reparaturanfällig. Zudem ermöglichen sie schnelle Datenübertragung etwa für Fahrgastinformationssysteme. Für den neuen ICX zum Beispiel, der ab 2016 über Deutschlands Schienen fahren soll, liefert Voith die komplette Fahrzeugfront. Darin steckt auch die automatische Schaku-Kupplung Typ 10, die sich schon weltweit als Standard für Hochgeschwindigkeitszüge etabliert hat.

Somit profitieren die Experten aus Salzgitter auch vom Geschäft mit Service und Ersatzteilen. Voith arbeitet nicht nur mit Bahn-Betreibern wie der Deutschen Bahn eng zusammen, sondern auch mit Herstellern wie Siemens, Alstom und Bombardier.

Die automatische „Schaku“ gibt es schon seit 111 Jahren

Geschäftsführer Tengler sieht das Unternehmen weiter auf Erfolgskurs. „Als Familienunternehmen können wir langfristig planen“, sagt er.

Im Eingangsbereich des Voith-Standorts Salzgitter ist ein ganz besonderes Stück ausgestellt: eine der ersten automatischen Scharfenbergkupplungen, entwickelt vor 111 Jahren von Karl Scharfenberg. „Bei allen technischen Neuerungen ist das Prinzip immer noch dasselbe“, sagt Tengler.

Und fügt hinzu: „Ich bin mir sicher, dass die Scharfenbergkupplung auch in weiteren 111 Jahren dazu beitragen wird, Menschen überall auf der Welt schnell, sicher und umweltfreundlich von A nach B zu bringen.“


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