Recaro punktet im Flugzeug

Diese Sitze sorgen für mehr Komfort über den Wolken


Schwäbisch Hall. Beim Start in den Urlaub gibt es zwei Möglichkeiten: Man fährt stundenlang mit dem Auto, oder man hebt mit dem Flugzeug ab. Doch im Flieger geht es oft eng zu.

Mit pfiffigen Ideen sorgt der Sitzhersteller Recaro Aircraft Seating hier für mehr Komfort. Denn der Vorsitzende der Geschäftsführung, Mark Hiller, weiß: „Sitzkomfort ist neben Service und Preis der Faktor, den die Fluggäste direkt spüren.“ Mit bequemen Plätzen können die Airlines also punkten.

Zumal sie „nur 3 Prozent des Kaufpreises ­eines Flugzeugs ausmachen“, ergänzt Hiller.

Geldstrafen bei Übergewicht

Beim neuen Sitzmodell BL 3520 haben sich die Recaro-Ingenieure einiges einfallen lassen: Beispielsweise wurden die Rückenlehne schlanker gemacht und die Literaturtasche in der Sitzlehne nach oben verlegt. Das bringt dem Fluggast etwas mehr Bewegungsfreiheit. Außerdem wurde die Fußstütze durch ein Netz ersetzt. Es wiegt nur 0,4 statt 1,3 Kilogramm und braucht kaum Platz.

Bei den Fluggesellschaften zählt jeder Zentimeter. So kostet beispielsweise der Quadratmeter Sitzfläche eines Airbus A380 bereits in der Anschaffung über 450.000 Euro. Im Flugbetrieb schlägt dann jedes zusätzliche Kilogramm Gewicht je nach Flugzeugtyp mit 150 bis 500 Euro pro Jahr zu Buche, rechnet der Recaro-Chef vor.

Deshalb seien für die Sitzhersteller sogar Strafzahlungen fällig, wenn sie das vereinbarte Gewicht überschreiten. „Das ist nicht einfach, denn der Sitz soll nicht nur leicht und komfortabel, sondern er muss auch sicher sein“, erklärt Hiller.

Das Konzept von Recaro hat Erfolg: In der Erstausrüstung setzen etwa 100 Fluggesellschaften auf die Sitze der Schwäbisch Haller. Im Ersatzgeschäft sind es mehrere Hundert. 2011 hat das Unternehmen rund 86.000 Sitze produziert und gut 300 Millionen Euro umgesetzt.

„Allein der jährliche Markt für Sitze in Airbus und Boeing ist 2,1 Milliarden Dollar schwer. Und er wächst pro Jahr um 9 Prozent“, bilanziert Hiller. Das größte Wachstum erwartet er im Langstreckenbereich im mittleren Osten und in Asien. In fünf Jahren soll der Umsatz von Recaro bei rund 500 Millionen Euro liegen.

Saisongeschäft verlangt Flexibilität

Dafür wurde der Standort Schwäbisch Hall erweitert, die Werke in den USA und Polen haben ihre Produktionsflächen verdoppelt. Und in China wird 2013 ein neues Werk in Betrieb genommen.

Am Stammsitz, wo mehr als  300 der rund 1.000 Mitarbeiter Entwickler sind, muss sich Recaro auf die Schwankungen im Saisongeschäft einstellen. Hier werden die Urlaubsflieger im Winter mit neuen Sitzen ausgerüstet. In dieser Zeit laufen bis zu 5.000 Sitze – fünfmal so viele wie sonst – durch die Fertigung.

Auch hier zeigt sich Recaro einfallsreich: „Das fangen wir mit einem modernen, flexiblen Arbeitszeitmodell auf und mit dem maßvollen Einsatz von Zeitarbeitskräften“, sagt Firmenchef Hiller.

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