Auszeichnung

Diese Pauker haben’s drauf


So werden Fächer wie Mathe und Physik lebendig

Hannover. Andreas Reincke kann gar nicht mehr zählen, wie viele seiner früheren Schüler ein naturwissenschaftliches Studium begonnen haben. „Es sind sehr, sehr viele“, sagt er. Erst kürzlich beim Schulball hat er viele Ehemalige getroffen. „Etliche haben erzählt, dass sie jetzt als Ingenieure in der Wirtschaft arbeiten oder aber als Dozenten an der Uni geblieben sind.“

Der Lehrer an der St.Ursula-Schule in Hannover unterrichtet seit acht Jahren ausschließlich Physik. „Wir haben da halt zu wenig Personal“, erzählt er. Wenn es nach seinen Schülern ginge, könnte das Fach noch häufiger auf dem Stundenplan stehen. „Weil es Spaß macht und nie langweilig wird“, sagt Katharina Potrykus (16). „Seine Experimente sind einfach klasse.“ Schulleiter Ewald Wirth sagt: „Dank seines Engagements nimmt Physik einen hohen Stellenwert im Bildungsprofil unserer Schule ein.“

Jeder Schüler ist ein Teilchen

Die Stiftung NiedersachsenMetall verlieh Reincke jetzt eine mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung – als besonders engagierter Lehrer in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Technik, Naturwissenschaften). Die Preisträger arbeiten nicht nach Plan, sondern betätigen sich weit über ihre Sollzeiten hinaus: um Fähigkeiten zu vermitteln, die für die Wirtschaft immer wichtiger werden.

„Um Schüler auf die berufliche Zukunft vorzubereiten, ist der persönliche Einsatz ihrer Lehrer eine wichtige Voraussetzung“, betont Herbert Hohmann, der Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung. Der Einsatz kenne in der Regel keinen festen Stundenplan. „Sie leisten dies im Verborgenen, das besondere Engagement ist der Öffentlichkeit kaum bekannt.“

Zu den ausgezeichneten Lehrern zählt auch Bernhard Sturm (45) vom Neuen Gymnasium in Oldenburg. Wenn er seinen Schülern die Zerfallzeit von Atomen erklären will, dann tut er das mit einem Brettspiel. Und wenn die Aggregat-Zustände „flüssig“, „gasförmig“ und „fest“ auf dem Lehrplan stehen, dann verzichtet er auf abstrakte Computerani­mationen: Er teilt seine Klasse in Gruppen auf – und jeder Schüler ist dann ein Teilchen, das sich unterschiedlich stark in Bewegung setzt. Eine ungewöhnliche Methode, die Eindruck hinterlässt.

„Mit Kindern zu arbeiten, ist mir ins Blut gelegt“, erzählt Sturm. „Meine Ur-Großmutter war kurz nach der Jahrhundertwende die erste Lehrerin in Schlesien.“

Die Lehrer dürfen entscheiden, wo in ihrer Schule das Preisgeld angelegt werden soll. Sturm war da um eine Antwort nicht verlegen: „Ich möchte gern Schauvitrinen anschaffen, um unsere Projekte besser präsentieren zu können. Und dann brauchen wir noch neue Fahrradtaschen für unsere Experimentier-Radtouren.“

„Es gibt nichts Schöneres“

Regelmäßige Exkursionen mit Schülern nach dem Unterricht – die macht auch der ebenfalls ausgezeichnete Thomas Klaßen von der Geschwister-Scholl-Schule in Cuxhaven. In seiner Freizeit. „Es gibt nichts Schöneres, als das Interesse der Kinder zu spüren“, sagt er. „Mir ist wichtig, dass sie Neugier entwickeln und selbstständiger an Forschungsarbeiten rangehen.“

 

Info: Preis der Stiftung NiedersachsenMetall

Der erstmals im Jahr 2004 vergebene Wettbewerb richtet sich an Lehrkräfte der Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Der Preis kann auf bis zu drei Personen aufgeteilt werden, zusätzlich gibt es einen Sonderpreis für ein herausragendes Projekt. Das Preisgeld: insgesamt 17.500 Euro.

www.stiftung-niedersachsenmetall.de

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