Metall & Elektro

Diese Mütter packen’s


Familie und Beruf unter einen Hut bringen: Bei Metoba bieten Firmenpaten Hilfestellung

Lüdenscheid. Vanessa Schürmann holt ein Gestell nach dem anderen aus einer dampfenden Chemikalien-Wanne. Daran hängen glänzende Elektro-Teile. Das Galvanobad hat ihnen eine Silberschicht verpasst: Sie sorgt dafür, dass die Teile Strom besser leiten.

Die Frau arbeitet bei Metoba in Lüdenscheid, einem mittelständischen Spezialisten für Metalloberflächen-Veredelung. Hier werden Steckerstifte, Schrauben, Kabelfittings und andere Kontaktteile verzinnt, verchromt, versilbert oder vergoldet.

Im Notfall bleibt Mama zu Hause

Seit sechs Uhr morgens steht die Galvaniseurin und alleinerziehende Mutter einer achtjährigen Tochter an der vollautomatischen Anlage, die aus zahlreichen Elektrolyse-Wannen besteht. Währenddessen hat die Oma die Kleine zur Schule gebracht. Drei Jahre nach der Geburt des Kindes war Schürmann in die Firma zurückgekehrt, wo sie schon ihre Lehre gemacht hatte: „Ich wollte unbedingt wieder in die Fertigung, obwohl da Schichtbetrieb ist.“ Sie brauche den Job, den Stress.

Vollzeit und in Schicht: Das klappt bei ihr dank der einsatzbereiten Großeltern. Und weil sie – wie andere Kolleginnen auch – im Hort einen Ganztagsplatz hat. „Im Notfall spreche ich mich mit dem Vorgesetzten ab und bleibe zu Hause“, sagt Vanessa Schürmann. Die Arbeitszeit holt sie dann nach, etwa samstags: „Dann ist das Kind beim Vater.“

Familie und Beruf unter einen Hut bringen – das erfordert Flexibilität von beiden Seiten. Bei den Lüdenscheidern ist das besonders wichtig: Ein Drittel der 85 Mitarbeiter sind Frauen, viele davon Mütter.

„Schon meine Eltern förderten die Ausbildung und Anstellung von Frauen in den technischen Berufen“, sagt Sven Hering, Geschäftsführer des Familienbetriebs. „Und junge Frauen wollen irgendwann eine Familie gründen.“

Selbst wenn die frisch gebackenen Mütter (und Väter) für eine Weile aus dem Job ausscheiden, bleiben sie am Ball. Stundenweise einspringen, wenn Bedarf ist, das ist bei Metoba erwünscht.

Genauso wie die Teilnahme an einer Fortbildung. Und schließlich sorgen „Firmenpaten“ dafür, dass der Kontakt nicht abreißt. Das sind Kollegen, mit denen sich die Mitarbeiter in Elternzeit gut verstehen. All das sorgt für einen leichteren Wiedereinstieg.

Birgit Eggert hat drei Kinder, zwei sind minderjährig. Sie arbeitet halbtags im Labor. „Einmal hat die Schule mich angerufen, das Kleine habe Nasenbluten, ich solle sofort kommen – kein Problem. Der Laborleiter hat auch Kinder, er kennt das.“

In den Ferien Arbeitszeitkonto leeren

Ihre Kollegin Birgit Ögrünc aus der Qualitätssicherung hat Zwillinge: In der einen Woche fängt sie um sechs Uhr an – und ihr Mann bringt die Mädchen in den Kindergarten. In der zweiten macht sie das und geht um acht Uhr arbeiten.

Derweil sorgt Vanessa Schürmann für die Ferien vor: „Ich sammle Stunden auf meinem Arbeitszeitkonto, die kann ich dann abbummeln.“

 

Info: Familie und Beruf

Vereinbarungen über flexible Arbeitszeiten, Teilzeit- und Heimarbeit gibt es in fast neun von zehn Metall- und Elektro-Betrieben.

38 Prozent helfen bei der Kinderbetreuung, so eine Studie der Industrie-Gewerkschaft IG Metall vom Sommer 2011.

Während die Wirtschaft bei dem Thema große Fortschritte erzielt hat, drohte kürzlich ein Rückschlag durch die Politik: Sie wollte Tagesmütter wie Lebensmittelverarbeitende Betriebe behandeln – strengste Hygienevorschriften inklusive. Inzwischen rudert Berlin aber wieder zurück.

 

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