Flexible Stromquelle

Diese Motoren machen aus Gas Elektrizität


Mannheim. Kritisch blickt Stefan Roos nach oben, als er einen „TCG 2032“ kontrolliert. Der ist über zwei Meter hoch und gut neun Meter lang. Er ist der größte Gasmotor, den das Unternehmen MWM fertigt. Ein Brummer mit einer Leistung von maximal 4.300 Kilowatt und einem Gewicht von mehr als 50 Tonnen. „Alles in Ordnung“, murmelt Prüfstandmechaniker Roos. Er ist einer von 850 Mitarbeitern, die am Stammsitz Mannheim beschäftigt sind.

Das Traditionsunternehmen wurde 1871 von Carl Benz gegründet, dem Erfinder des Automobils. MWM-Motoren kommen einzeln oder in Gruppen zum Einsatz: überall, wo Strom vor Ort erzeugt und nicht von großen Kraftwerken bezogen wird.

Allein vom TCG 2032 sind weltweit bereits über 550 Stück installiert. In Bangladesch beispielsweise versorgen acht dieser Gasaggregate das Stahlwerk des Unternehmens Rahim Steel mit Strom. In den Niederlanden liefern sie Strom, Wärme und gefiltertes CO2, damit Blumen oder Tomaten in den Gewächshäusern gedeihen.

Bereits 1880 entwickelte Benz am heutigen Produktionsstandort Mannheim den ersten Gasmotor der Welt. Seit 2011 gehört das Unternehmen zu Caterpillar, dem weltgrößten Baumaschinenhersteller. „Caterpillar gibt uns als strategischer Investor nach turbulenten Jahren mit wechselnden Eigentümern eine langfristige Perspektive.“ So sieht MWM-Geschäftsführer Willy Schumacher das Engagement der amerikanischen Mutter. Die hat im vergangenen Jahr rund 20 Millionen Euro in den Betrieb investiert.

Der riesige Energiehunger in China, Indien und Russland sorgt für einen Wachstumsschub

MWM profitiert vom weltweit wachsenden Energiehunger, besonders in China, Indien und Russland. Auch in Deutschland ist die gasbetriebene Stromerzeugung immer öfter gefragt. So versorgen am Münchner Flughafen MWM-Gasmotoren Gebäude und Hangars mit Strom und Wärme und dienen zum Teil als Notstromaggregate.

Ein Pluspunkt dieser Anlagen ist ihre Flexibilität: „Gasmotoren kann man beliebig dazu- und abschalten und so Lastschwankungen handhaben“, erklärt Schumacher. „Gas ist zudem kostengünstiger und in einem Blockheizkraftwerk effizienter und umweltfreundlicher als andere klassische Energieträger.“ MWM-Motoren haben eine Effizienz von mindestens 87 Prozent. Das bedeutet: Nur etwa ein Zehntel der Energie geht durch Abwärme oder Reibung verloren.

Außer Erdgas können sie unter anderem Schiefer- oder Biogas verbrennen. Das bringt manchen Anwendern zusätzlichen Nutzen. Zum Beispiel Kohlebergwerken: Sie produzieren mit dem explosiven Minengas Strom und werden damit gleichzeitig sicherer.

Die Entwickler der Firma arbeiten daran, Motoren noch effizienter zu machen. „Da hilft uns die finanzielle Unterstützung der Mutter sehr“, sagt Schumacher.

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