Fitness für die Welt

Diese Laufbänder bringen Verletzte und Sportler wieder in Schwung


Traunstein. „Die Goldmedaillen der Biathleten im Winter werden im Sommer vorbereitet – auf unseren Geräten“, sagt Alexander Böck mit einem breiten Lächeln. Er ist Vertriebsleiter der h/p/cosmos sports und medical GmbH, die die Initialen ihrer Gründer Franz Harrer und Manfred Pelz im Firmennamen trägt.

Neben Biathletin Magdalena Neuner und Fußballstar Lionel Messi kann Böck viele weitere Profis aufzählen, die auf den Laufbändern aus Traunstein ihre Kondition verbessern.

Zum Beispiel auch den schottischen Bahnradfahrer Chris Hoy, der bei den Olympischen Spielen in London seine insgesamt sechste Goldmedaille abräumte. Spitzensportler sind aber nicht die Hauptkunden der oberbayerischen Firma, die 52 Mitarbeiter beschäftigt: 70 Prozent von 6 Millionen Euro Jahresumsatz erzielt das Geschäft mit Laufbändern für Therapie und Rehabilitation – meist von Schlaganfall- und Parkinson-Patienten.

Alle Modelle entwirft ein sechsköpfiges Entwicklungsteam. „Dabei schauen wir genau, welche Anwendungsfelder etwa eine Spezialklinik als potenzieller Kunde hat“, erklärt Böck, „und stellen das Gerät dann passgenau aus Modulen zusammen.“

„Tuning“ mit Spezial-Software

An die 100 Varianten sind möglich – von 8.000 Euro in der Basisausstattung bis zu Spitzenmaschinen für 150.000 Euro. „Über 95 Prozent der Teile unserer Laufbänder sind made in Germany“, berichtet Prokurist Richard Schmidt. „Viele kommen von spezialisierten Zulieferern aus der Umgebung.“

Montiert werden jährlich um die 500 Laufbänder, jeweils 700 sind das Ziel bis 2015. Das 1988 gegründete und seit 1992 von Franz Harrer allein geführte Unternehmen liefert in 80 Länder.

Wie in einem Baukasten können die Geräte unter anderem mit Spezial-Software „getunt“ werden. Im Therapiebereich ermöglichen patentierte Systemlösungen dem Patienten, zum Beispiel das Gehen wieder zu erlernen: Expanderkabel und Manschetten am Oberschenkel erzeugen Widerstand oder Zugunterstützung.

Bei konsequentem Üben sind Rekorde möglich, zeigt eine Studie des Universitätsklinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München. Hochsensible Druckplatten unter der Lauffläche haben dort den Geh-Rhythmus einer etwa 60-jährigen Parkinson-Patientin gemessen.

In Rekordzeit zurück ins Leben

Mit spezieller Software und einem Projektor wurden dann individuell anpassbare Gangmuster als Lichtpunkte auf das Band gesetzt, sodass die Patientin wusste, wohin sie ihre Schritte setzen sollte.

Nach nur acht Tagen intensiven Trainings mit Betreuung war sie wieder so sicher auf den Beinen wie vor ihrem Parkinson-Schub, auch ohne Projektionspunkte. „An solchen Erfolgserlebnissen beteiligt zu sein, macht uns stolz“, sagt Böck. „Wir helfen schwer beeinträchtigen Menschen zurück ins Leben.“

Unterstützen will h/p/cosmos auch die Physiotherapeuten in ihrer oft anstrengenden Arbeit. Deshalb gibt es als Komfortfunktion für sie seit Kurzem verstellbare Sitze, die seitlich am Laufband mitfahren: „So ist der Therapeut nah dran am Patienten, kann dessen Fußstellung aber bequem und ohne eigene Rückenschmerzen korrigieren“, erklärt Böck. „Da helfen unsere Geräte gleich doppelt.“

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