Von wegen Kinderkram

Diese Frau managt den firmeneigenen Kinderhort beim Textilveredler van Clewe

Ihre Arbeit ist ganz und gar kein Kinderkram: Kirsten Böing kümmert sich um alle Belange des Kinderhorts beim Textilunternehmen van Clewe in Hamminkeln. So können ihre Kolleginnen früher zurück in den Job.

Seit zehn Jahren schiebt sie die Sache an: Kirsten Böing mit kleinen Kindern der Van-Clewe-Kollegen. Foto: Roth

Seit zehn Jahren schiebt sie die Sache an: Kirsten Böing mit kleinen Kindern der Van-Clewe-Kollegen. Foto: Roth

Im Hort: Böing (links), Erzieherin Michaela Galonska und Kinder. Foto: Roth

Im Hort: Böing (links), Erzieherin Michaela Galonska und Kinder. Foto: Roth

Im Büro: Die zweifache Mutter arbeitet 25 Stunden in der Woche. Foto: Roth

Im Büro: Die zweifache Mutter arbeitet 25 Stunden in der Woche. Foto: Roth

Hamminkeln. Fast wie ein Kleinwagen, doch mit Muskelantrieb, überquert der Kiddybus des Textilveredlers van Clewe den Parkplatz zum hauseigenen Spielparadies, wo Schaukel, Rutsche und Sandkasten warten. Er gehört zum Hort, den das Unternehmen im niederrheinischen Hamminkeln-Dingden für die Kinder seiner mehr als 200 Beschäftigten betreibt. Kirsten Böing schiebt den Kinderwagen vor sich her und begleitet heute Erzieherin Michaela Galonska.

Es dauert nicht lange, da turnt der Nachwuchs über die Geräte, und die zweifache Mutter hat etwas Zeit, von dem Projekt zu erzählen.

Nach der Geburt wollte sie schnell wieder arbeiten

Alles nahm vor zehn Jahren seinen Anfang. „Im August 2007 haben wir die firmeneigene Betreuung eröffnet“, erzählt Böing. Damals wie heute Assistentin der Geschäftsführung, gehörte sie zu den Initiatoren des Projekts und kümmert sich auch jetzt noch um alle Belange der „van Clewe Kids“.

Nach der Geburt ihres Sohnes war der jungen Mutter klar: „Ich will so schnell wie möglich wieder arbeiten.“ Aber eine Betreuung für Kleinkinder in einer Kleinstadt zu finden, war zu dieser Zeit nicht so leicht. Wohin also mit ihrem damals zwei Monate alten Sohn Chris?

Eltern und Schwiegereltern standen bereit, aber eine Lösung auf Dauer war das nicht. „Deshalb war ich von der Idee eines Horts total begeistert.“

Die kam von der damaligen Juniorchefin Xenia van Clewe, selbst zweifache Mutter. Einfach war der Anfang dennoch nicht. Bis der kleine Chris dann als eines der ersten Kinder durch den Hort krabbeln konnte, gab es viel zu tun.

Böing führte Telefonate und Gespräche mit anderen interessierten Müttern, mit dem Jugendamt, mit geeignetem Personal. „Wir wollten das professionell aufziehen, schließlich werden bei uns Kinder vom Säuglingsalter bis zum dritten Lebensjahr betreut.“ Da van Clewe auf Kleingruppenbetreuung setzt (wie das auch Tagesmütter tun), waren die Auflagen relativ einfach zu erfüllen. Nun toben, basteln und schlafen maximal vier Kinder von 7:30 bis 13 Uhr in ehemaligen Büros – mitten im Verwaltungstrakt des Schwesterunternehmens van Clewe Sun Protection.

Kleine Gruppe und professionelle Betreuung

Es gibt Spielzeug, kindgerechte Möbel und einen Waschraum. „Für so etwas muss man manchmal um die Ecke denken“, sagt die fest angestellte Erzieherin Michaela Galonska – und deutet auf ein Podest unter dem Waschbecken. Statt das Becken teuer auf Kinderhöhe abwärts zu montieren, hat der Hausmeister flugs ein Podest eingezogen. Darauf steigen die Knirpse zum Händewaschen.

„Der Hort wurde mit viel Engagement und Eigenleistung der Eltern eingerichtet“, betont Böing. Die gesamten Kosten übernimmt der Betrieb. Die Eltern zahlen lediglich einen kleinen Monatsbeitrag für das Frühstück in die Gruppenkasse – und bekommen dafür Betreuung in einer Kleingruppe mit ausgebildeter Erzieherin. „So etwas finden Sie in keinem Kindergarten“, davon ist Böing überzeugt.

Das Engagement zahlt sich für die Firma aus: „Meine Kolleginnen kommen jetzt früher zurück in den Job.“ Das gibt dem Unternehmen wie den Mitarbeiterinnen Planungssicherheit. Kürzlich erst fragte eine Initiative aus Duisburg an, ob sie mal mit Firmenvertretern den Van-Clewe-Hort besuchen könne, um sich ein Bild davon zu machen. Das zeigt: Immer mehr Unternehmen denken darüber nach, eine Betreuung für die Kinder ihrer Mitarbeiter einzurichten, um so Fachkräfte langfristig an sich zu binden.

Böing hat gern zugesagt. „Ich bin immer bereit, unsere Erfahrungen auf diesem Gebiet an interessierte Unternehmen weiterzugeben.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich bin ausgebildete Bürokauffrau. Seit 1997 arbeite ich bei van Clewe als Assistentin der Geschäftsführung.

Was reizt Sie am meisten?

Die Vielseitigkeit meines Jobs. Es gibt zwar auch Routinearbeiten – dennoch ist jeder Arbeitstag anders.

Worauf kommt es an?

Für meinen Job ist die familiär geführte Kinderbetreuung, verbunden mit einem optimalen Zeitmanagement, sehr wichtig.


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