Leicht, stabil und rostet nicht

Dieffenbacher ist die erste Firma, die Fertigungsanlagen für Autoteile aus Karbonfaser herstellt

Eppingen. Das Wundermittel heißt Karbon und gilt als das neue „schwarze Gold“. Es wird für die Zukunft des Autobaus mit entscheidend sein. BMW macht mit dem Modell i3 schon mal vor, wie diese Zukunft aussieht: Der Flitzer mit Elektromotor ist der erste Pkw, der aus den mit Kunststoff umhüllten Karbonfasern besteht und damit viel weniger wiegt als vergleichbare Autos.

„Im Vergleich zu Stahl ist dieses Material etwa 60 Prozent leichter und gegenüber Aluminium sind es immer noch 30 Prozent“, sagt Matthias Graf, der beim Unternehmen Dieffenbacher in Eppingen den Bereich Leichtbau und Umformtechnik leitet.

Das Pressen des Werkstoffs funktioniert wie ein Gipsverband

Weniger Gewicht bedeutet weniger CO2-Ausstoß – das ist entscheidend. Außerdem hat der Werkstoff noch andere Vorteile: Er ist stabil, beliebig formbar und extrem langlebig. Der größte Nachteil: Bisher sind Autoteile aus Karbonfasern sehr teuer, sie kosten bis zum Fünffachen eines gleichartigen Stahlteils. Das könnte sich bald ändern: Dieffenbacher hat als erster Hersteller eine Anlage zur vollautomatischen Fertigung von Autoteilen aus dem neuen Material entwickelt.

„Der Einstieg in die Massenfertigung ist ein wichtiger Meilenstein, um die Kosten zu senken“, erklärt Graf beim Rundgang durch die Montage in Eppingen. „Unsere Anlagen produzieren bis zu eine Million Teile im Jahr.“

Seit fünf Jahren beschäftigt sich das Familienunternehmen intensiv mit der Entwicklung solcher Maschinen und profitiert dabei von seiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Herstellung von Kunststoffpressen.

Das Pressen mit Karbonfasern funktioniert ähnlich wie ein Gipsverband: Die schwarz-glänzenden Textilmatten werden zuerst zugeschnitten, dann in die gewünschte Form gepresst und mit Kunststoff imprägniert, der aushärtet. Heraus kommen fertige Kotflügel, Heckklappen oder Autodächer.

Die schnelle und automatisierte Herstellung ist jedoch nur eine der Stellschrauben, um die hohen Kosten der Leichtbauteile zu senken. Dieffenbacher arbeitet an der Optimierung des Verfahrens. Das bedeutet: „Möglichst wenig Abfall und die Mischung mit anderen Materialien, wo es möglich ist“, erklärt Graf.

Zum Beispiel muss eine Heckklappe nicht vollständig aus hochwertigem Karbonfaser-Kunststoff bestehen, sondern kann mit anderen Werkstoffen kombiniert werden. Der Trend zur Leichtigkeit wird anhalten, da ist sich Graf sicher.

Der neue Werkstoff gleicht aus, was unsere Autos in den letzten Jahren durch immer mehr Technik zugelegt haben. Und beim Elektromobil müssen die rund 300 Kilo der Batterie an anderer Stelle eingespart werden. Für das Unternehmen, das in Eppingen rund 700 und weltweit 1.800 Mitarbeiter beschäftigt, macht die Kunststofftechnik bisher ein Viertel des Umsatzes von rund 430 Millionen Euro aus. Der größte Teil entfällt auf Maschinen zur Herstellung von Holzwerkstoffplatten. Doch Graf ist sich sicher: „Der Bereich Leichtbau wird in den nächsten 20 Jahren wachsen.“


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