Ausbildung

Die weite Welt wartet


Azubis entdecken fremde Länder

München. Nix wie weg! Auch schon beim Einstieg ins Berufsleben. Was für Studenten schon lange zutrifft, gilt immer mehr auch für Auszubildende: Zum Lernen geht’s ab ins Ausland.

Seit 2005 regelt das Berufsbildungsgesetz, dass Azubis bis zu einem Viertel ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren können. Dabei lernen sie eine neue Kultur kennen, verbessern ihre Sprachkenntnisse, werden fachlich neu gefordert – und müssen sich in der Fremde behaupten.

Zum ersten Mal allein klarkommen

So auch Daniel Behr. Der angehende Industriemechaniker von Schaeffler verlegte für acht Wochen seinen Arbeitsalltag von Schweinfurt nach Momo bei Mailand. In Italien war  der 20-Jährige zum ersten Mal auf sich allein gestellt: „Ich musste kochen, waschen und bügeln“, berichtet Behr.

Nicht nur das war für ihn neu: Bisher unbekannte fachliche Aufgaben warteten. Dazu kam die ungewohnte Verständigung mit den Kollegen. Deutsch sprach fast niemand. Englisch war angesagt. „Ich habe dort gelernt, dass ich mit jeder Situation fertig werden kann“, sagt der Lehrling.

Ähnliche Erfahrungen machen regelmäßig 14 Prozent aller Azubis von Schaeffler in Schweinfurt. Der Trip ins Ausland hat dort seit den 90er-Jahren hohen Stellenwert – und ist wichtiger denn je.

„Wir sind ein globales Unternehmen, die Auszubildenden sollen deswegen auch über den Tellerrand hinausschauen“, begründet Barbara Gerber, die Ausbildungsleiterin am Standort, das Engagement des Arbeitgebers. Flug und Unterkunft werden bezahlt. Die Ziele reichen von Mexiko bis Korea.

Nach der Rückkehr ist man reifer

Wie Schaeffler ermöglichen andere Betriebe zunehmend die Zeit in der Fremde. „Dass die Lehrlinge reifer zurückkommen, nennen viele Unternehmen als Hauptmotivation“, sagt Berthold Hübers von der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung.

Die Institution betreut das EU-Programm Leonardo da Vinci. Mit ihm werden 2008 die Auslandsaufenthalte von mehr als 8.000 deutschen Azubis gefördert. Kosten:12 Millionen Euro. Hinzu kommen Tausende weitere Lehrlinge, die auf andere Weise ihren Weg ins Ausland finanzieren.

Staat, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften peilen an, die Zahl aller Auslandsaufenthalte bis zum Jahr 2015 zu verdoppeln. Denn trotz des positiven Trends gibt es noch viel zu tun. Derzeit nutzen nur gut 2 Prozent der Auszubildenden die Chance auf die weite Welt.

 

 

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Schlagwörter: Ausbildung

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